Elektrosmog: Eine Gefahr für Mensch und Umwelt?

W-LAN, Mobilfunknetze oder auch die ganz normale Stromleitung - Mensch und Umwelt sind heutzutage ständig elektromagnetischen Strahlen ausgesetzt. Welche Folgen das letztendlich für unsere Gesundheit hat, ist eine kontrovers diskutierte Frage.

Wenn es um die Frage geht, welche Auswirkungen elektromagnetische Strahlung auf unsere Gesundheit hat, dann scheiden sich die Geister – nicht nur bei Laien und Scheinexperten, sondern auch bei Wissenschaftlern.

„Das ist eine Debatte, die schon seit Ende der achtziger Jahre läuft und sich bis heute immer weiter fortgesetzt hat. Es gibt 30 bis 40 Jahre Forschung zu dem Thema, aber die Wissenschaftler haben sich da in zwei Lager aufgeteilt und für neutrale Institutionen – für die wir uns eben halten – ist es ausgesprochen schwer, da zu neutralen Bewertungen zu kommen und das ist auch der Grund dafür, wieso es da immer wieder zu kontroversen Stellungnahmen kommt“, erklärt Dr. Frank Gollnick von der RWTH Aachen. Am Forschungszentrum für elektromagnetische Umweltverträglichkeit (Femu) untersucht er die Auswirkungen elektromagnetischer Felder auf Mensch und Umwelt.

Grenzwerte

Mobilfunk-und Elektrosmog-Kritiker auf der einen Seite, industrienahe Befürworter auf der anderen Seite – und mittendrin Institutionen wie das Femu, die versuchen, sich dazwischen einzuordnen und das Ganze möglichst neutral zu betrachten.

Aus wissenschaftlicher Perspektive gibt es tatsächlich eine Reihe von Hinweisen, die darauf hindeuten, das Elektrosmog Auswirkungen auf unsere Gesundheit hat. „Diese Hinweise beziehen sich hauptsächlich auf Stärkebereiche oberhalb der Grenzwerte. Wenn man jetzt in Stärkebereiche unterhalb der gültigen Grenzwerte geht, dann sind die Wirkungen wesentlich schwerer nachweisbar und deswegen ist die Datenlage da auch kontroverser. Bei den Wirkungen, die zu erwarten sind, haben wir es aber grundsätzlich mit sehr schwachen Wirkungen zu tun. Es ist also anders als beim Rauchen oder bei Radioaktivität“, erklärt Dr. Gollnick.

Wirkungen auf Nervensystem

Was sich bei starken Feldstärken, d.h. im Bereich über den Grenzwerten, aber feststellen lässt, ist eine Wärmewirkung. „Die Frage ist, bei welcher Stärke wirkt sich das noch auf den Körper aus? Dafür gibt es eben die Grenzwerte und da ist sich die Wissenschaft sicher, dass unterhalb dieser Grenzwerte, kein gesundheitlich schädlichen Wirkungen auftreten, d.h. aber nicht, dass man überhaupt keine Wirkungen nachweisen kann“, so Dr. Gollnick.

„Solche Wirkungen, die man auch unterhalb der Grenzwerte nachweisen kann wären zum Beispiel Wirkungen auf das Nervensystem. Man kann ganz leichte Hirnstromveränderungen im Schlaf beispielsweise beobachten – und das ist auch wissenschaftlich belegt. Nur kann die Wissenschaft hier auch sagen, dass es dadurch nicht zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommt.“

Strahlung krebserregend?

Mit der Frage, ob die Strahlung krebserregend ist, hat sich die Krebsagentur der Weltgesundheitsorganisation ausführlich auseinander gesetzt.

„Die hat eine sehr groß angelegte Bewertung im Rahmen eines Wissenschaftler-Austauschs vorgenommen und hat die potentielle krebserregende Wirkung von Mobilfunk, W-LAN, etc. eingestuft. Dabei ist sie zu einer mittleren Einstufung gekommen. Da heißt es, dass die hochfrequenten Felder möglicherweise krebserregend sind. Das ist die mittlere von fünf Stufen“, erklärt Gollnick.

Abstandsregel

Bei elektromagnetischen Feldern gilt grundsätzlich immer die Abstandsregel – das gilt für die Solarzellen auf dem Dach oder auch für Stromleitung unter dem Bett. „Wenn Sie ein Stromkabel direkt unter dem Bett verlaufen lassen, dann haben Sie es in der Tat dort mit einem erhöhten Magnetfeld zu tun, das sich aber sehr schnell mit dem Abstand verringert, d.h. es kommt immer darauf an, wie groß der Abstand ist.“

Das gilt übrigens auch für Menschen, die in der Nähe von Zuglinien wohnen. „Wenn man sich in einigen Metern Abstand von der Leitung befindet, dann ist praktisch kein erhöhtes Feld mehr nachweisbar. Anders ist es, wenn man direkt auf dem Bahnsteig steht und ein Zug fährt ein: Dann ist man kurzfristig – nur für die Dauer, wo der Zug vorbei fährt – einem erhöhten Magnetfeld ausgesetzt“, erklärt Dr. Gollnick.

Stärksten Felder wirken zuhause

Schützen kann man sich vor Elektrosmog vor allem im persönlichen Bereich. „Man muss beispielsweise beim Mobilfunk unterscheiden zwischen dem eigenen Handy und den Mobilfunkantennen draußen. Der Unterschied besteht sowohl in der Stärke des Feldes als in der Beeinflussbarkeit“, erklärt Gollnick.

„Die stärksten Felder holt man sich immer durch die eigenen Geräte im persönlichen Umfeld heran  – egal ob es sich um ein Handy, einen W-LAN-Router oder elektrische Geräte im Haushalt handelt – und nicht durch das, was durch draußen herein kommt.“

Schutz: Geräte ausschalten und Abstand halten

„Die Felder von Handy, Fön, Wecker etc. – Geräte, die man in unmittelbarer Nähe zu seinem Körper trägt und verwendet – sind immer sehr viel stärker als die, die von draußen kommen. Dafür kann man die eigenen Geräte natürlich abschalten und das bietet einem dann auch sehr schnell die Möglichkeit, sich vor übermäßiger Strahlung zu schützen“, so Gollnick weiter.

Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt Handys nachts auszuschalten, W-LAN-Router nur dann einzuschalten, wenn man sich braucht, Mobiltelefone mit Head-Set zu benutzen, damit die Geräte weiter vom Kopf entfernt sind. Auch rät das Amt zum Kauf von strahlungsarmen Handys. Zu beachten ist da der SAR-Wert, der die Energiedosis angibt, die vom Gerät ausgesendet wird. Und Dr. Gollnick empfiehlt generell, immer Abstand von den Geräten zu halten, die elektromagnetische Felder aussenden.

Melanie Ganser - Illustrationsbild: Jonas Roosens (belga)

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