Besuch in Kelmis: Unterwegs mit Bouli Lanners

Der aus Kelmis stammende Regisseur und Schauspieler Bouli Lanners ist zur Zeit auf Promo-Tour für seinen neuen Film "Les Premiers, les derniers". Der vierte Streifen des Kelmiser Filmemachers wurde bei der Berlinale mit zwei Preisen ausgezeichnet. Wir haben ihn in seiner Heimat Kelmis getroffen.

Bei einem Treffen mit Bouli Lanners in Kelmis unerkannt zu bleiben ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Der Erfolg ist Lanners aber nicht zu Kopf gestiegen. Zu präsent sind noch die Erinnerungen an jene Zeiten, in denen seine Filme noch nicht erfolgreich waren und er auf der Suche war.

„Es war lange Zeit sehr hart für mich. Finanziell sowieso und ohne Anerkennung. Es hat Jahre gedauert, ehe die Sache lanciert war. Wenn ich die Spur gehalten habe, hat das auch an meiner Erziehung gelegen. Ich hatte eine glückliche Kindheit, das hat mir geholfen, mich zu halten“, so Lanners.

„Kelmis ist einfach mein Dorf“

Regelmäßig kehrt der 50-Jährige noch in seine alte Heimat zurück. Die Verwurzlung mit seiner Heimatgemeinde ist noch deutlich spürbar. „Jeden Meter Bürgersteig hab ich in Kelmis in allen Umständen gemacht. Entweder zu Fuß, kriechend, entlang der Mauer oder auch robbend. Kelmis ist einfach mein Dorf.“

Boulis letzter Film „Les premiers, les derniers“ ist ein Roadmovie und moderner Western zugleich, mit mystischem Einschlag, in dem er selbst die Rolle eines etwas borstigen Cowboys mit gutem Herz übernimmt. Gemeinsam mit seinem besten Freund und Partner Cochise (Albert Dupontel) macht sich Gilou (Bouli Lanners) auf die Suche nach einem entwendeten Mobiltelefon, auf dem kompromittierende Videos gespeichert sind. Die Reise führt sie in die Provinz, in der sie auf Halbstarke und Kleinkriminelle stoßen.

Parallel befindet sich auch das Pärchen Esther (Aurore Broutin) und Willy (David Murgia) auf der Suche. Sie sind aus einem Heim für Menschen mit geistiger Behinderung geflohen, um Esthers Tochter zu finden, die bei der Geburt zur Adoption freigegeben wurde. Bei dieser Suche stoßen sie auf das besagte Mobiltelefon, ohne zu wissen, dass ihnen deswegen fortan jemand auf der Spur sein wird.

„Les premiers, les derniers“: Eine Hommage an das Leben und den Menschen

Bouli Lanners beweist mit diesem Film wieder einmal, dass er ein besonderes Gespür dafür hat, Landschaften in Szene zu setzen. Der Film ist aber in erster Linie eine Hommage an das Leben und den Menschen.

„Der Film setzt sich der negativen Aktualität entgegen. Man freut sich heute nicht mehr auf das, was in 50 Jahren einmal sein wird. Wir haben uns als Kinder auf die Zukunft gefreut. Die Message in dem Film soll Hoffnung geben. Mein Film lässt sich auch ein bisschen mit einem Zitat aus dem Film zusammenfassen: ‚Leben ist nicht nur Atmen‘. Man soll sein Leben zu 100 Prozent leben. Das Leben aus wissenschaftlicher Sicht hätte nicht existieren sollen. Wir müssen uns des Glücks bewusst sein, das wir haben, zu leben, Emotionen zu spüren, zu schmecken und lieben zu können. Wir haben Glück gehabt, das Produkt vieler Zufälle zu sein. Genießt diesen Moment zu 100 Prozent“, so Lanners.

Drehort seines vierten Spielfilms war unter anderem der Montzener Bahnhof. Seine Heimat in Szene zu setzen, ist dem Filmemacher wichtig.

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Christophe Ramjoie