Aachener Hasenclever-Literaturpreis für Jenny Erpenbeck

Die Berliner Autorin Jenny Erpenbeck erhält den renommierten Walter-Hasenclever-Literaturpreis 2016 der Stadt Aachen. Die Jury würdigt ihre zeitgenössische Erzählkunst, die Flüchtlingen eine Stimme gibt und für ein respektvolles Miteinander einsteht.

Die Berliner Autorin Jenny Erpenbeck hat de Walter-Hasenclever-Literaturpreis der Stadt Aachen erhalten

Jenny Erpenbeck

Der Walter-Hasenclever-Literaturpreis zählt zu den renommierten Literaturpreisen Deutschlands. Alle zwei Jahre wird der Preis an Autoren aus dem deutschsprachigen Raum verliehen. Dass die Jury ein Händchen für würdige Preisträger hat, zeigt schon, dass sie die Literaturnobelpreisträgerinnen Herta Müller und Elfriede Jelinek schon vor der Schwedischen Akademie ausgezeichnet hatte.

Am 6. November wird nun die Berliner Autorin Jenny Erpenbeck den mit 20.000 Euro dotierten Walter Hasenclever-Literaturpreis der Stadt Aachen 2016 erhalten. Ihre Erzählkompetenz hat Erpenbeck schon oft unter Beweis gestellt. Dafür sprechen mehr als ein Dutzend Auszeichnungen, die die Schriftstellerin und Regisseurin für ihre Werke erhalten hat. Nun Schmückt also auch der Walter-Hasenclever-Literaturpreis die Liste ihrer Ehrungen.

Der aktuelle Roman von Jenny Erpenbeck „Gehen, ging, gegangen“ erschien Ende August 2015. Darin wendet sie sich konkret den heutigen Flüchtlingen in Deutschland zu; gibt diesen eine Stimme. Und das fern der anonymen Nachrichtensprache mit ihren Begriffen wie Zahlen, Kontingente oder Obergrenzen. Bei Jenny Erpenbeck bekommen diese Flüchtlinge ein Gesicht. Sie mache sie als Menschen für uns sichtbar, lobt die Jury. Und die Jury möchte Leser auch mit der Gesprächsführung im Roman vertraut machen, erklärt Dr. Maria Behre, Jury-Mitglied der Walter-Hasenclever-Gesellschaft.

Jenny Erpenbeck hatte mitten in Berlin selber Gespräche mit Flüchtlingen geführt, Schicksale erfragt und erzählt bekommen. Stellvertretend für die Autorin ist im Roman „Gehen, ging, gegangen“ ein emeritierter Professor für Altphilologie aufgebrochen. Er verlässt seine Komfortzone, um sich den Flüchtlingen zu nähern.

Auch der Namensgeber des Preises, der Aachener Schriftsteller Walter Hasenclever wurde zum Flüchtling. 1933 wurden seine Werke in Deutschland verboten. Als Regimegegner auch physisch gefährdet, flüchtete er ins Exil, wo er angesichts der deutschen Kriegserfolge den Freitod wählte. Sein Abitur machte Hasenclever übrigens am Aachener Einhard-Gymnasium.

Der mit 20.000 Euro dotierte Preis wird am 6. November im Aachener Ludwig-Forum verliehen. Am Vortag hält Jenny Erpenbeck dort auch eine Lesung.

Manuel Zimmermann - Bild: Katharina Behling

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