Wickler-Backes: Familienbetrieb in fünfter Generation

Die Familie Wickler-Backes aus Oudler blickt auf eine fast 150-jährige Gasthof-Tradition zurück. Weil aber auch in der Eifel das Kneipensterben nicht ausbleibt und die Kunden andere Ansprüche haben, geht die Tochter des Hauses jetzt neue Wege.

Viele Eifeler kennen das alte Restaurant-Café Wickler in Oudler an der Nationalstraße zwischen St. Vith und Luxemburg im Stil der 70er Jahre eingerichtet, mit Kneipentradition und gut-bürgerlicher Küche.

Jetzt steht an dieser Stelle eine junge, hoch motivierte Köchin. Die altbackenen Möbel sind einer hochmodernen Küche gewichen. Zusammen mit ihrem zweiten Koch Gregory Lamsfuss kann Francine Wickler auf knapp 120 Quadratmetern kreativ werden. „Ich bin froh, dass ich meine Ideen umsetzen konnte, dass wir uns differenzieren durch das neue Restaurant, das heller und freundlicher ist und wo ich meine Ideen umsetzen kann. Das war vorher in dem alten Haus nicht so möglich“, sagt Francine Wickler.

In einem Anbau hat Francine Wickler ihren Traum von einem „A-la-carte-Restaurant“ verwirklicht. Zeitgemäß und einladend sollte es sein. Statt Schnitzel mit Fritten gibt es jetzt feine französische Küche. Seit April vergangenen Jahres ist „Le Jardin“ in Betrieb und spricht an – auch wenn manch alt eingesessener Kunde anfangs skeptisch war.

Francine Wickler hat internationale Erfahrungen mit nach Oudler gebracht, wie viele ihrer jungen Kollegen aus der Eifel. Hotelfachschule in Luxemburg, Praktika in Frankreich und der Schweiz – dann wieder zurück in ihr Heimatdorf –  das war nicht leicht. „Das ist sehr schwierig am Anfang, aber es geht alles. Man lebt sich ein. Die Leute müssen sich an mich gewöhnen und umgekehrt. Mit der Zeit hat das gut geklappt.“

Francine Wickler knüpft an eine fast 150-jährige Familientradition an. 1870 gründete ihre Ururgroßvater aus Lascheid den ersten Gasthof. Von den folgenden Generationen wurde der Familienbetrieb bis heute durchgehend weitergeführt – zeitweise mit Tankstelle und Geschäft. Francines Eltern bauten schließlich 1974 einen neuen Gasthof. „Hier war immer was los. Wir hatten immer Action durch die vielen Feste“, sagt Francine Wickler.

Und für Francine war schon früh der Berufsweg klar – zur Freude der Eltern. Dass man bei Wickler nicht mehr an der Theke sitzt, sondern in der Lounge, findet Vater Albert prima. „Wir sind sehr stolz, dass sich das geändert hat, denn man muss ja mit der Zeit gehen. Man kann nicht stehen bleiben.“

Mit Sommelier Pierre gibt es Verstärkung im Service und eine Neuheit: offene Weine in einem automatischen Ausschank-System. Das Getränk an der Theke wie in alten Zeiten gibt es hier nicht mehr. Auch in der Eifel stirbt das Kneipengeschäft – mit ein Grund, den Familienbetrieb auf neue Beine zu stellen.

„Le Jardin“ soll ein Eifeler Familienbetrieb bleiben – mit kleiner Karte, regionalen und saisonalen Gerichten. Das was die Menschen früher in den Gasthof zog, sollen sie weiterhin hier finden.

Durch die Lage an der N62 hofft Francine Wickler, auch weiterhin Station für Pendler und Touristen zu sein. Dass es hier feine französische Küche gibt, soll nichts an der Bodenständigkeit und Gastfreundschaft der Eifeler Familie ändern.

Michaela Brück - Bild: David Hagemann

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