Pfeifenpatenschaften: Ameler tragen ihren Teil zur neuen Orgel bei

Baujahr 1952 – das reicht auch nach menschlichen Maßstäben so langsam fürs Rentenalter. Bei der Orgel in der Pfarrkirche von Amel kam hinzu, dass sie recht anfällig für Pannen wurde – sie hatte förmlich ausgedient. Die Kirchenfabrik von Amel entschied sich deshalb für die Neuanschaffung einer gebrauchten Orgel. Kommenden Sonntag wird sie eingeweiht.

Die neue Ameler Orgel hat ihrer Vorgängerin einiges voraus – das wird unüberhörbar deutlich, wenn Organist Heinz Piront erst einmal alle (24) Register zieht. Die Orgel stammt aus dem Jahr 1977 und kommt aus der Schweiz. Hier wurde das Orgelkomitee, zu dem auch der Ameler Pastor Günter Weinand gehört, fündig – auf der Suche nach einer guten Gelegenheit.

„Dort gab es in Hitzkirch bei Luzern ein ehemaliges Lehrerseminar und die Orgel wurde nicht mehr gebraucht, weil dieses Lehrerseminar inzwischen eine Polizeischule ist. Und das Instrument gefiel uns eigentlich ganz gut, es war sehr passend“, erklärt Pastor Günter Weinand. „Erstens hat sie einen wunderschönen Klang und die Preis-Leistung ist mehr als korrekt, wenn man bedenkt, dass man für eine neue Orgel in der Gröβenordung fast 600.000 Euro aufwenden müsste. Und das wäre natürlich sehr viel. Das kann keine Pfarre und keine Gemeinde stemmen“, so Weinand weiter.

Kosten belaufen sich auf rund 120.000 Euro

Im Falle der neuen gebrauchten Orgel aus der Schweiz liegen die Kosten bei fast 120.000 Euro – samt Abbau, Überführung und Aufbau durch die Orgel(bau)manufaktur Schumacher aus Eupen. Die Gemeinde Amel übernimmt davon rund 60.000 Euro. Die andere Hälfte muss die Kirchenfabrik aufbringen – über ihren Investitionsfonds und mit Hilfe von Spenden über sogenannte „Pfeifenpatenschaften“. „Es sind insgesamt fast 400 Pfeifen in Patenschaft gegangen, für einen Gesamtwert von 22.500 Euro“, berichtet Stephan Bodarwé vom Orgelkomitee.

Vorbild war eine ähnliche Aktion vor 25 Jahren beim Ankauf einer neuen Orgel in Deidenberg. Für den nötigen Anreiz sorgten wöchentlich Hinweise im Pfarrbrief und ein Spendenbarometer, damit die Leute immer wussten, wie hoch der Spendenstand derzeit ist. „Das war für die Leute wichtig, dass sie Transparenz hatten, damit sie sahen, wie es vorangeht und das Thema auch im Gespräch blieb“, so Bodarwé.

Bereits 400 Pfeifen in Patenschaft

Über die Patenschaft wird jeder Spender (sozusagen) zum stillen Teilhaber an der neuen Orgel, der Königin der Instrumente – auch wenn „seine“ Pfeifen nicht unbedingt in vorderster Reihe stehen… „Die meisten Leute wissen nicht, was sich hinter diesen Prospektpfeifen verbirgt. Man sieht nur ein paar Pfeifen, aber das meiste Innenleben ist hinten dran, auch im Schwellkasten. Die Orgel hat 1.632 Pfeifen. Man hält es vielleicht nicht für möglich, aber es ist eben das Tolle daran: viel technisches, handwerkliches Knowhow steckt in so einem Instrument“, erklärt Organist Heinz Piront.

Bei bislang fast 400 Patenschaften bleiben also noch viele Pfeifen übrig… Es ist – nach der Orgel in St. Vith – die zweitgrößte Orgel im Süden der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Außer im Gottesdienst könnte sie auch für Konzerte genutzt werden.

Orgelweihe am Sonntag

Vom neuen Klang haben sich die Ameler Kirchgänger in den vergangenen Wochen schon überzeugen können – und kommenden Sonntagnachmittag (um 15 Uhr) ist Orgelweihe. „Es ist etwas, was man so oft ja nicht erlebt. Wir haben vor 25 Jahren in Deidenberg eine neue Orgel bekommen, aber im Leben eines Menschen gibt es nicht so oft die Möglichkeit, eine Orgelweihe mitzuerleben, und da freuen wir uns so riesig drauf. Gemeinsam mit dem Chor, der das untermalen wird und mit den geladenen Gästen wird das bestimmt eine schöne Feier werden“, so Bodarwé.

Text und Bilder: Stephan Pesch