Das blutige Geschäft mit unseren Smartphones

Unsere Smartphones und die Demokratische Republik Kongo – was hat das denn miteinander zu tun, mögen sich viele fragen. Eine Antwort darauf gibt der dänische Dokumentarfilm „Blood in the Mobile“, der am Freitag in den Räumen der "Raupe" in Eupen gezeigt wurde. Amnesty International hatte zu der Filmvorstellung eingeladen.

Handys, Computer, Laptops, Tablets – es gibt wohl kaum jemanden, der nicht mindestens eins von diesen Geräten besitzt. Sie sind zu einer Selbstverständlichkeit geworden und aus unserer modernen Welt nicht mehr wegzudenken. Aber nur die wenigstens machen sich Gedanken über die Produktionsbedingungen der Geräte.

Ganz wesentlich an der Herstellung beteiligt, ist die Demokratische Republik Kongo. Hier finden sich nämlich unter anderem die weltweit größten Ressourcen an Coltan – ein Rohstoff, der für die Produktion von Handys und Computern unabdingbar ist.

„Leute werden gnadenlos ausgebeutet“

Abgebaut werden die sogenannten Konflikt- oder Blutmineralien teils unter unmenschlichen Bedingungen. „Es hängt davon ab, ob das zertifizierte Minen sind, das heißt Minen, um die sich die Industrie und Wirtschaft kümmern. Hier sind die Arbeitsbedingungen recht gut und es werden auch anständige Löhne gezahlt“, erklärt Raimund Böckler von Amnesty International.

„Dann gibt es aber auch Minen, die nicht zertifiziert sind, in denen auch Sklavenarbeit gemacht wird. Und da sind die Arbeitsbedingungen sehr schlecht und die Leute werden gnadenlos ausgebeutet. Das sind dann Minen, die zum Teil von bewaffneten Bürgerkriegsgruppen beherrscht werden oder die zum Teil auch von Mitgliedern der kongolesischen Armee ausgebeutet werden“, so Böckler weiter.

In den letzten Jahren zeichnet sich jedoch allmählich eine Verbesserung ab. Politik und Wirtschaft haben diverse Initiativen ins Leben gerufen, nachdem die Problematik bekannt wurde. Im Mai erst hat zum Beispiel das EU-Parlament ein Gesetz verabschiedet, das vorschreibt, dass alle importierten Metalle zertifiziert werden müssen.

„Das ist eine großartige Verabschiedung gewesen. Es wird aber befürchtet, dass der Europarat zusammen mit der EU-Kommission dieses Gesetz in seiner Härte wieder verändert. Man darf nicht unterschätzen, welche Auswirkungen das auf die Wirtschaft von Europa hat. Und deswegen wird es sicherlich einen wirtschaftlichen Druck auf die Politik geben, um das zu verhindern. Ich meine, dass wir als Bürger versuchen müssen, unsere Politiker zu beeinflussen, damit dem nicht so ist“, erklärt Böckler.

Kritischer Endverbraucher gefragt

Von einer Lösung des Problems ist man also noch weit entfernt. Im Kongo werden die Menschenrechte tagtäglich auf grausame Art verletzt. Und jeden Tag aufs Neue fordert der Bergbau zahlreiche Menschenleben. Mit Veranstaltungen wie der am Wochenende in der Raupe möchte Amnesty darauf aufmerksam machen, dass wir alle durch den Kauf von Computern und Handys zu diesen Missständen beitragen.

Die Filmvorführung in Eupen hat die gewünschte Wirkung jedenfalls nicht verfehlt. „Mein nächstes Handy wird ein faires Handy sein, denn die Möglichkeit gibt es und das sollte man denn auch unterstützen“, sagt eine Besucherin nach der Filmvorführung. „Ich werde versuchen, mein Handy so lange es geht zu halten, um den Verbrauch nicht zu weit nach oben zu treiben“, so ein anderer Zuschauer.

Und eben das, wünscht sich Amnesty-Mitarbeiter Raimund Böckler auch: Nämlich einen kritischen Endverbraucher, der genau schaut, was er kauft.

Text und Bilder: Melanie Ganser

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