Ostbelgische Bauern zum Aus der Milchquoten

Sie war die Antwort auf Butterberge und Milchseen. Gut 30 Jahre nach ihrer Einführung wird die Mengeregulierung durch die Milchquote nun abgeschafft - zum Stichtag 31. März. Während die einen Landwirte die neue Freiheit schätzen, sind die anderen skeptisch.

Bilder vom Bauernhof von Leo Mertes in Breitfeld

Bilder vom Bauernhof von Leo Mertes in Breitfeld

Auf seinem Hof in Breitfeld präsentiert Leo Mertes mit einem Augenzwinkern seine Kälber, die neue Generation „ohne Milchquote“. Er selbst hat die Zeit vor und nach Einführung der Mengenregulierung erlebt: „Ich habe fast zehn Jahre produziert ohne Milchquote. Das war eine wunderbare Zeit. Dann kam die Milchquote, die unseren Betrieb in aller Härte getroffen hat.“ Damals hatte er den Stall gerade vergrößert und wurde durch die Mengenregulierung zehn Jahre lang blockiert: “ Das war für mich persönlich die schlimmste Zeit und danach haben wir große Mengen, das heißt wir haben große Mengen hinzugekauft. Wir haben 300.000 Euro investiert, mehr oder weniger, um den Betrieb heute auf über eine Million Liter auszubauen.“

Nun müsse er keine Lieferrechte mehr hinzumieten- oder kaufen, sagt Leo Mertes. Ohnehin habe die Quote ihren ursprünglichen Zweck nicht mehr erfüllt: „Sie war nicht mehr mengenregulierend, weil europaweit wurde die Quote nicht mehr voll gemolken. Preisbildend war sie auch nicht, weil das haben wir in den letzten fünf Jahren erlebt: die Milchpreisschwankungen von 18 Cent bis fast 40 Cent, da war auch nichts mehr mit Preisbildung. Die Quote war längst hinfällig.“

Auf seinem Hof in Eynatten sieht Erich Pohen dem Ende der Milchquote mit eher gemischten Gefühlen entgegen. „Viel Ungewissheit, was jetzt in den nächsten Monaten auf uns zukommt. Wir wissen nicht, wie der Markt reagieren wird. Wir haben schon einen fallenden Milchpreis in den letzten sechs Monaten gehabt. Im Moment ist ein Stillstand, aber was jetzt am 1. April passieren wird, nochmal freier Fall oder Stabilität? Alles ist ungewiss im Moment!“

Erich Pohen gehört darum zu denen, die das Ende der Milchquote skeptisch sehen. Wenn nun die Lieferbeschränkungen wegfallen, bringe das für den einzelnen Landwirten neue Freiheit, aber auch Verantwortung: „Das ist ja gerade das Dilemma. Der einzelne Landwirt profitiert von der Freiheit, aber im Gesamtsystem, wenn man gegen den Markt produziert, wird der Milchpreis sinken und desto mehr man die Produktion wieder steigert, um persönlich Möglichkeiten auszuschöpfen, desto mehr gerät der ganze Markt unter Druck. Das ist eine Kette ohne Ende.“

Erich Pohen ist Präsident der Milcherzeuger-Interessengemeinschaft MIG, die dem European Milk Board EMB angeschlossen ist. Sie hat sich dafür eingesetzt, dass nicht ganz auf Mechanismen verzichtet wird, die den Markt steuern könnten: „Also es wird von der EU-Kommission eine Stelle geben, die den Markt beobachtet. Natütrlich ist die Frage, welche Lobby am besten da jetzt wirken kann. Wenn die Molkereien und der Lebensmitteleinzelhandel weiter auf Menge setzen, werden die die Preise nach unten halten. Wenn wir die Möglichkeit haben, zu beweisen, wir müssen den Preis steigern, dann werden wir die Menge reduzieren müssen. Angebot und Nachfrage regeln den Markt – das ist noch immer das Grundgesetz!“

Das ist auch Leo Mertes und anderen Landwirten bewusst. Während die MIG vor Auswüchsen der Globalisierung warnt, geht er davon aus, dass die Bauern nun einmal mit dem Weltmarkt leben müssen: „Wo wir Verbände unbedingt gemeinsam kämpfen sollten, das wäre allgemein, nicht nur für die Milchwirtschaft, dass nicht unter den Gestehungspreis verkauft werden darf.“

Bilder: BRF

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