Jousten zu Papst Franziskus: „Name ist Programm“

Die Wahl des Papstes aus Argentinien war für viele eine Überraschung, so auch für Bischof Aloys Jousten. "Sein Name ist für mich ein Programm", so fasst der Lütticher Bischof im BRF-Interview seine Eindrücke zusammen.

Bischof Jousten zu Papst Franziskus: "Name ist Programm"

Bischof Jousten zu Papst Franziskus: "Name ist Programm"

Am Mittwoch ist Kardinal Bergoglio aus Argentinien zum neuen Papst gewählt worden. „Für mich war es ebenfalls eine Überraschung, auch wenn er 2005 zitiert worden war“, erklärt Bischof Aloys Jousten im Interview mit dem BRF Fernsehen.

„Aber es war eine sehr positive Überraschung, als ich ihn dann gesehen und vor allem gehört habe. Denn die ersten Gesten, die ersten spontanen Worte sind immer sehr prägend und drücken das aus, was ein Mann in seinem Herzen hat.“

„Ich fand, dass er sehr treffende Worte gefunden hat, wenn er zum Beispiel sagt, dass er der Bischof von Rom ist. Nicht ‚Ich bin der Papst‘, sondern ‚Ich bin der Bischof von Rom‘, hier ist das Volk von Rom und ich bitte das Volk, mich zu segnen. Dass wir als Volk Gottes eine Rolle als Vorbild übernehmen müssen, alle gemeinsam.“

„Der Name ist programmatisch. Er zeigt, dass es ihm darum geht, eine Kirche mitten unter den Armen aufzubauen. Eine Kirche für die Armen, für die Notleidenden, für die unter Ungerechtigkeit leidenden. Franziskus war dieser Mann, der auch viele junge Leute begeistert hat und bis heute begeistert. Für mich ist das voller Hoffnung, dass er uns einlädt zu einer Umkehr und einer Hinwendung zum Evangelium … Das ist doch unsere Auftrag. Nicht, dass wir belehrend auftreten, sondern dass wir durch unser Tun und Sein zeigen, dass wir in der Nachfolge Jesu leben wollen, und dass wir eine Kirche in der Welt und für die Welt, für die Menschen sein wollen und sein sollen.“

„Ich glaube, wir haben es mit zwei ganz unterschiedlichen Menschen zu tun“, sagt Bischof Jousten über den Vergleich von Papst Benedikt und Papst Franziskus. „Im Herzen hat Benedikt genau das auch gewollt, das hat man sehr gut gespürt. Aber er war ein Theologe, ist nur kurze Zeit Bischof gewesen. Aber er hatte großes Mitgefühl für die Notleidenden und die Armen. Mit Franziskus haben wir einen Mann, der auch ein guter Theologe ist, aber der vor allem durch sein bisheriges Leben und Wirken zeigt, dass er mitten unter den Menschen sein will. Dass er nicht in seinem bischöflichen Palast gelebt hat, dass er mit der Straßenbahn gefahren ist, scheint mir doch ein Zeichen dafür, dass er ein Hirte sein will für eine Kirche im Dienst der Armen.“

Das Alter erscheint Bischof Jousten nicht wichtig. „Auch mit 76 Jahren kann er verwirklichen, was er als Christ, als Bischof und als Papst tun will. Das hängt von seiner tiefen Überzeugung ab und von dem, was ihn in seinem Herzen bewegt. Das kann man mit 76 Jahren noch genauso tun wie mit 60 Jahren. Wir werden vielleicht noch Überraschungen erleben. Ich bin doch voller Hoffnung, was den Stil und seine Auffassung des Amtes angeht. Sein Name ist für mich ein Programm.“


Interview: Chantal Delhez - Bild: BRF Fernsehen