Ein eigener Dorfsaal für Bütgenbach: Was zunächst aus dem Wunsch der örtlichen Vereine entstanden ist, beschäftigt das Dorf inzwischen seit mehreren Jahren. "Es hat sich herauskristallisiert, dass es eigentlich in Bütgenbach einen Bedarf für einen Dorfsaal gibt, weil wir nirgendwo mehr etwas haben im Dorf, um selber Veranstaltungen zu machen", erklärt Ralph Linden von der Dorfsaal Bütgenbach VoG.
Auslöser für die Überlegungen war unter anderem das Projekt "Worriken 4.0". Die Diskussionen darüber hätten die Dorfvereine dazu gebracht, sich intensiver mit möglichen Alternativen für Veranstaltungen im Ort auseinanderzusetzen. Ein erstes Vorprojekt wurde ausgearbeitet und den Vereinen vorgestellt. Die ursprünglichen Pläne erwiesen sich allerdings vor allem aus finanziellen Gründen als nicht umsetzbar.
Deutlich kleiner als ursprünglich geplant
In den vergangenen zwei Jahren wurde deshalb an einer abgespeckten Variante gearbeitet. Das aktuelle Projekt sieht einen Saal von etwa 14 mal 20 Metern vor. Hinzu kommen eine Küche und sanitäre Anlagen, darunter auch behindertengerechte Toiletten. Das gesamte Gebäude hat eine Etage.
Auch der Saal selbst soll flexibel genutzt werden können. Er lässt sich teilen, sodass nicht für jede Veranstaltung die gesamte Fläche benötigt wird. Neben größeren Feiern wie Hochzeiten sollen damit auch kleinere Veranstaltungen und Geburtstage möglich sein.

Für Linden ist ein solcher Treffpunkt wichtig für das Dorfleben. Zwar gebe es in Bütgenbach noch kleinere Räumlichkeiten und eine Gaststätte, diese könnten den Bedarf aber nicht vollständig abdecken. "Wir sind momentan gezwungen auszuweichen", sagt Linden. Ein Dorfhaus würde es ermöglichen, Veranstaltungen wieder stärker im Ort selbst stattfinden zu lassen.
Spendenaktion bis Ende Oktober verlängert
Trotz der Unterstützung durch die Deutschsprachige Gemeinschaft und der Gemeinde Bütgenbach bleibt eine Finanzierungslücke. Deshalb haben die beteiligten Vereine eine Spendenaktion gestartet. Die Verantwortlichen gehen dabei von Haus zu Haus, um das Projekt vorzustellen und um finanzielle Unterstützung zu bitten.
Die ursprünglich bis zum 30. September geplante Aktion wurde inzwischen um einen Monat verlängert. Der Grund ist vor allem der hohe Zeitaufwand. Bütgenbach zählt rund 700 Häuser, und obwohl sich zehn bis 15 Personen an der Aktion beteiligen, sei es nicht möglich gewesen, alle Haushalte innerhalb der vorgesehenen Frist zu erreichen.
"Man kann da nicht sagen: Okay, ich mache jetzt mal zehn Minuten pro Haus", erklärt Linden. Die Gespräche dauerten mitunter eine Stunde oder länger. Gleichzeitig böten sie die Gelegenheit, Fragen zu beantworten und Anregungen aus der Bevölkerung aufzunehmen.
Die Verantwortlichen hoffen, durch die Verlängerung rund 90 Prozent der Bevölkerung erreichen zu können. Linden betont, dass das Projekt nicht nur den Vereinen zugutekommen soll, sondern auch das allgemeine Dorfleben bereichern könne.
Kritik am Dorfsaal
Allerdings gibt es auch eine Gegenbewegung, die sich gegen den Bau des Dorfsaals ausspricht. Kritiker wollen ihre Bedenken in den kommenden Tagen auch vor dem Gemeinderat vorbringen.
Linden sagt, dass die Verantwortlichen bewusst auch mit Menschen gesprochen hätten, die dem Projekt kritisch gegenüberstehen. Er bedauert jedoch, dass aus seiner Sicht nicht alle Änderungen und Verbesserungen der überarbeiteten Planung in der öffentlichen Diskussion berücksichtigt werden.
So sei das aktuelle Vorhaben rund eine Million Euro günstiger als das ursprüngliche Projekt. Dadurch würden auch die Ausgaben der Deutschsprachigen Gemeinschaft deutlich geringer ausfallen. Zudem seien inzwischen Parkplätze vorgesehen. Auch eine Beschallungsanlage mit Dezibelbegrenzung sei eingeplant, um die Lärmbelastung zu begrenzen.
Linden räumt ein, dass ein Dorfhaus im Zentrum von Bütgenbach mit Blick auf die bereits bestehende Belastung durch Tourismus und Verkehr Fragen aufwerfe. Er wünsche sich jedoch eine ausgewogene Diskussion, in der auch die Anpassungen der Planung berücksichtigt würden.
"Ich gebe erst auf, wenn es wirklich heißt, es funktioniert nicht"
Trotz der langen Planungsphase und der anhaltenden Kritik bleibt Linden optimistisch. Innerhalb der beteiligten Vereine habe er viel Unterstützung erfahren. Auch in der Bevölkerung nehme er inzwischen eine Veränderung wahr, da immer mehr Menschen erkennen würden, dass das Projekt deutlich kleiner ausfällt als ursprünglich geplant. "Ich bin ein extrem positiv denkender Mensch und ich gebe erst auf, wenn es wirklich heißt, es funktioniert nicht", sagt Linden.
Er hofft, dass die Spendenaktion und die weitere Aufklärungsarbeit dazu beitragen, genügend Rückhalt für den Dorfsaal zu gewinnen. Für ihn steht fest, dass ein solcher Treffpunkt in einem Ort wie Bütgenbach gebraucht wird.
Radio-Interview mit Ralph Linden im Player:
Robin Emonts