Jährlich gibt es in Belgien über 11.000 neue Brustkrebsdiagnosen. Die richtige Vorsorge kann Leben retten, denn in 85 Prozent der Fälle haben Betroffene zunächst keine Symptome. Wird der Krebs früh genug erkannt, liegen die Heilungschancen bei weit über 90 Prozent.
Eine wichtige Rolle in der Brustkrebsvorsorge spielt die Mammographie, eine Röntgenuntersuchung der Brust. Für viele Frauen ist diese Untersuchung allerdings unangenehm. In Eupen soll sich das jetzt ändern. Mit der finanziellen Unterstützung der DG hat das St.-Nikolaus-Hospital ein hochmodernes Mammographiegerät angeschafft, das die Untersuchung schonender machen soll: Patientinnen können über ein Rad an der Seite des Apparats beispielsweise bestimmen, wie viel Druck während der Untersuchung auf die Brust ausgeübt wird.
"Es gibt einen Bildschirm vor der Patientin. Da sieht sie selbst auch, was der nötige Mindestdruck für das Verfahren ist und welcher Druck optimal ist. Wir haben festgestellt, dass die Bilder besser werden, wenn die Frau selbst entscheiden kann, wie stark der Druck ist. Das ist eine Zusammenarbeit zwischen den Patientinnen und dem Team der Radiologie", erklärt Jean-François Monville, Facharzt für Brustdiagnostik am St.-Nikolaus-Hospital.
Auch in der Bildgebung bietet das neue Gerät Vorteile. Anders als bei einer herkömmlichen Mammografie dreht sich die Maschine um die Patientin - jeweils 25 Grad in beide Richtungen. So entsteht statt einer rein zweidimensionalen Aufnahme ein dreidimensionales Bild der Brust. "Mit dieser Maschine haben wir einen Blick des Volumens. Wir können eine Navigation in diesem Volumen machen, das gibt uns bessere Information, kleinere Knoten zu sehen und eine frühere Diagnose zu machen", so Monville.
Gleichzeitig bleibt die Strahlendosis beim Einsatz der Maschine gering - im Vergleich zur Vorgängermaschine sind es 15 Prozent weniger. Analysiert werden die Bilder zudem mit der Hilfe von künstlicher Intelligenz. "Wir bleiben immer in Kontrolle, aber die künstliche Intelligenz hilft uns, ein Triage zu machen zwischen den Situationen der Patientinnen und dann ist da auch mehr Sicherheit. Wir arbeiten immer im Team hier. Wir sind zwei Brustradiologen. Wir sprechen viel zusammen. Wir haben oft die Chance, einen Doppelblick auf die Untersuchungen zu haben, aber die KI bringt uns noch einen dritten Blick. Das ist nichts, was uns unbedingt schneller macht, aber vor allem besser."
Das Krankenhaus hofft, dass die neue Technik auch mehr Frauen für die Vorsorge gewinnt. Während im Jahr 2023 in Flandern rund 50 Prozent der Frauen zwischen 50 und 69 die Einladung für den kostenlosen Mammotest angenommen haben, waren es in der Wallonie und der DG weniger als fünf Prozent.
Dabei betrifft Brustkrebs nicht nur die Altersgruppe zwischen 50 und 69: Rund 20 Prozent der Betroffenen sind jünger als 50 Jahre, etwa 30 Prozent älter als 70. Früherkennung bleibt deshalb auch über die regulären Vorsorgeangebote hinaus wichtig. Vor allem, wenn es in der Familiengeschichte bereits Brustkrebsdiagnosen gegeben hat. Eine Überweisung zur Untersuchung können der Hausarzt oder der Gynäkologe ausstellen.
Sollte auf den Bildern der Mammografie etwas auftauchen und eine weitere Untersuchung oder Behandlung nötig sein, sind die Wege in Eupen kurz. "Wir haben das Glück, und das ist einzigartig in der Region, dass wir hier ein anatomopathologisches Labor haben. Wenn wir eine Diagnose machen, können wir hier auch direkt die passende Biopsie machen. Wir haben die Resultate dann in wenigen Tagen. Das ist sehr schnell. Wir können alles in Eupen machen und haben für den Fall von Strahlentherapie auch Verbindungen zu anderen Krankenhäusern", sagt Jean-François Monville.
Um die Aufmerksamkeit weiter auf das Thema Brustkrebsvorsorge zu lenken, nimmt das Eupener Krankenhaus an der Sensibilisierungskampagne "Rosa Oktober" teil. "Wir haben festgestellt, dass die Rosa-Oktober-Kampagne im deutschsprachigen Raum noch relativ unbekannt ist. Wir möchten aus dem 'Rosa Oktober' weit mehr als nur eine symbolische Kampagne machen. Indem wir unsere Fassade in rosa beleuchten, machen wir auf das Thema aufmerksam, regen den Dialog an und schaffen konkrete Gelegenheiten, über die Brustkrebsvorsorge zu sprechen", so Sophie Piedboeuf, Generaldirektorin des Eupener Krankenhauses. "Wir sind fest davon überzeugt, dass ein Krankenhaus nicht nur der Behandlung dient, sondern auch der Vorbeugung und der Ermöglichung, dass die Menschen so früh und so gut wie möglich die Verantwortung für ihre Gesundheit übernehmen können."
An verschiedenen Orten im Krankenhaus finden die Besucher zudem Informationsmaterial zur Kampagne und den Möglichkeiten der Brustkrebsvorsorge. "Die Schilder sollen den Menschen einen ersten Eindruck vom Mammotest und der Pink-October-Kampagne vermitteln und ihnen vielleicht auch Ängste abbauen, denn wir wissen, dass diese Tests nicht unbedingt angenehm sind und man sie nicht freiwillig wählt. Daher ist es unser Ziel, zu informieren, aufzuklären und Aufmerksamkeit zu erregen", so Piedboeuf.
Lindsay Ahn





