In der Gemeinde St. Vith beginnt der Weg des Trinkwassers größtenteils im Rodter Venn. Dort befindet sich eine große Grundwasserschutzzone mit mehreren Quellen und Brunnen.
Insgesamt gibt es dort eine Hauptquelle, mehrere Nebenquellen und acht Brunnen. Die Brunnen sind an ihrer auffälligen Form zu erkennen: Sie ragen wie kleine Hügel aus dem Boden. Darin befinden sich unter anderem Pumpen und Messgeräte.
Nicht alle Quellen und Brunnen sind gleichzeitig in Betrieb. Welche genutzt werden, hängt unter anderem von der Wassermenge und vom Wetter ab. Bei starken Regenfällen werden beispielsweise die Quellen teilweise abgeschaltet und dafür mehr Brunnen genutzt. Denn durch den Regen kann das Wasser in den Quellen stärker belastet sein.
Die Wassermenge, die in St. Vith gewonnen wird, ist beträchtlich. Im vergangenen Jahr wurden rund 724.000 Kubikmeter Rohwasser entnommen. Das entspricht fast zwei Millionen Litern Wasser pro Tag – oder etwa eineinhalb olympischen Schwimmbecken.
Doch auch die Quellen und Brunnen haben ihre Grenzen. Sie werden deshalb regelmäßig überwacht. Eine Quelle gilt als ausreichend ergiebig, solange mehr als zehn Kubikmeter Wasser pro Stunde gefördert werden können. Sinkt die Menge darunter, wird die Quelle abgeschaltet und die Versorgung wird stärker über die Brunnen sichergestellt.
Gerade in längeren Trockenperioden kann die Wasserversorgung zu einer Herausforderung werden. Die Gemeinde St. Vith versorgt aktuell auch Teile der Gemeinde Amel mit Wasser. Gleichzeitig können die vorhandenen Quellen und Brunnen bei anhaltender Trockenheit nicht unbegrenzt genutzt werden.
Vom Rohwasser zum Trinkwasser
Nachdem das Wasser aus den Quellen und Brunnen gewonnen wurde, geht es in die Aufbereitungsanlage in Rodt. Dort wird aus dem Rohwasser Trinkwasser.
Zunächst wird das Wasser in einem großen Becken mit Luft in Kontakt gebracht. Dadurch steigt unter anderem der pH-Wert und der Sauerstoffgehalt des Wassers. Anschließend wird es durch drei Filterbehälter mit Kalkstein geleitet. Diese sorgen dafür, dass der pH-Wert weiter angehoben wird.
Danach kommt UV-Licht zum Einsatz. Es macht Bakterien und andere Mikroorganismen unschädlich. Anschließend landet das aufbereitete Wasser im sogenannten Reinwasserbecken.
Von dort aus wird es entweder direkt ins Versorgungsnetz gepumpt oder zunächst in Hochbehälter geleitet. Zwei dieser Hochbehälter befinden sich in Rodt und Recht. Ihre erhöhte Lage hat einen einfachen Vorteil: Das Wasser kann von dort aus größtenteils allein durch die Schwerkraft weiterfließen.
An manchen Stellen reicht der natürliche Wasserdruck allerdings nicht aus. Dort sorgen zusätzliche Druckerhöhungsanlagen - unter anderem in Wallerode und Schönberg - dafür, dass das Wasser auch in höher gelegenen Bereichen ankommt.
Ein Teil der Wasserversorgung in der Gemeinde wird außerdem von der SWDE übernommen. Der größte Teil des Wassers kommt jedoch aus dem Gebiet rund um Rodt.
Vom Grundwasser im Rodter Venn bis zum Wasserhahn ist es also ein längerer Weg: Das Wasser wird gewonnen, überwacht, aufbereitet, gespeichert und über das Leitungsnetz verteilt. Erst dann kommt es als sauberes Trinkwasser bei den Haushalten in St. Vith an.
Robin Emonts