In Eupen sind die Ergebnisse einer Wirtschaftsstudie vorgestellt worden. Neben zwei Studienbüros waren daran auch wirtschaftliche und soziale Akteure aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft beteiligt. Die Studie soll der Auftakt sein zu einer Standort-Strategie.
Ausgangspunkt war für die Wirtschaftsförderungesellschaft Ostbelgien und ihre Geschäftsführerin Nathalie Klinkenberg die Fragestellung: "Wo steht Ostbelgien wirtschaftlich und wie wollen oder können wir den wirtschaftlichen Standort entwickeln?"
Stabile Ausgangslage
Die Antwort sollte eine Wirtschaftsstudie bringen - eingebettet in ein Leader-Kooperationsprojekt der beiden Lokalen Aktionsgruppen “100 Dörfer - 1 Zukunft” sowie “Zwischen Weser und Göhl”. Beauftragt wurden die beiden Studienbüros Spatial Foresight und IW Consult. Sie stellten fest, dass die Voraussetzungen gut sind: eine stabile Struktur mit viel verarbeitendem Gewerbe, leistungsfähigen kleinen und mittleren Betrieben, der Mehrsprachigkeit und einer hohen Lebensqualität. Aber: die Arbeitskräfte werden knapper und die Zeiten immer unsicherer.
Auf dieser Grundlage wurden drei Zukunftsszenarien entworfen, die eher zum Denken anregen sollten, als dass sie ein Patentrezept geboten hätten. Wichtiger sei es, klare Prioritäten zu setzen, ausreichend Kapazitäten vorzusehen und kluge Verflechtungen zu suchen - auch mit Blick auf die Frage der Nachfolge in Unternehmen, den digitalen Wandel und die Krisenresilienz. Gemeinsam mit regionalen Akteuren wurden ein Zielbild und sechs konkrete Handlungsempfehlungen entwickelt.
“Jetzt geht es darum, gemeinsam mit der Arbeitsgruppe zu schauen, wie wir diese Handlungsempfehlungen priorisieren, wer welche Verantwortung wahrnehmen kann”, sagt Nathalie Klinkenberg von der WFG.
Nicht für die Schublade
Vertreten sind in dieser Arbeitsgruppe regionale Akteure von der Wirtschaftsförderungesellschaft, Ostbelgieninvest und der Mittelstandsvereinigung übers Arbeitsamt, IAWM und Ministerium bis hin zu sozialistischer Gewerkschaft und dem Wirtschafts- und Sozialrat.
Und auch der Arbeitergeberverband und die Industrie- und Handelskammer sind dabei. Deren Geschäftsführer Volker Klinges sagt über den Nutzen der Wirtschaftsstudie: "Ich glaube schon, dass wir jetzt diese Möglichkeit haben mit einem Leitbild, mit einem Nordstern, aber auch mit klaren Prioritäten und Handlungsempfehlungen, dass wir in naher Zukunft auch zur Umsetzung kommen sollten. Es wäre sehr schade um die Studie, wenn sie in einer Schublade verschwinden würde."
Gekostet hat die Studie 65.000 Euro, kofinanziert von der Wallonischen Region und von der Europäischen Union. Ein Interesse daran hat auch die Deutschsprachige Gemeinschaft, selbst wenn sie (noch) nicht für die Wirtschaftspolitik zuständig ist.
“Die Wallonische Region wird über die Wirtschaftspolitik daran mitarbeiten müssen, aber auch wir können unseren Beitrag leisten", sagt Ministerpräsident Oliver Paasch. "Ich denke an den Ausbau der Glasfaserinfrastruktur, an die Reformen in der Bildungspolitik, an die Stärkung der Lebensqualität und an vieles andere mehr. Und jetzt kommt es darauf an, gemeinsam mit den Akteuren hier das Ganze in einen Aktionsplan zu gießen und unseren Standort zu stärken.”
Stephan Pesch