Schon seit 2008 macht der Naturpark Hohes Venn/Eifel bei der Wollsammlung mit. Ziel der jährlichen Aktion ist es, Schafwolle - die in der EU als tierisches Nebenprodukt gilt - vor der Entsorgung zu retten und weiterzuverwerten.
"Wolle ist ja eigentlich ein super Produkt im Prinzip. Es hat thermische Eigenschaften und es kann die Feuchtigkeit gut regulieren. Alle diese Eigenschaften ungenutzt zu lassen, ist eigentlich schade - vor allem vor dem Hintergrund, dass wir uns als Gesellschaft immer nachhaltiger entwickeln sollten", erklärt Philippe Laschet vom Naturpark Hohes Venn/Eifel.
"Dementsprechend ist es wichtig, alle Ressourcen, die wir hier vor Ort so haben, zu nutzen und darum geht es im Prinzip: Die Schafwolle als Ressource zu nutzen, sie möglichst auch in kurzen Kreisläufen weiterzuentwickeln und zu verhindern, dass sie zum Abfallprodukt wird."
Der Naturpark Hohes Venn/Eifel ist dabei einer von mehreren Standorten, an denen Schafzüchter aus der Region ihre Wolle in festgelegten Zeiträumen abgeben können. In diesem Jahr fand die Sammlung auf Botrange Anfang September statt. Zusammengekommen sind am Ende der Sammlung rund acht Tonnen Wolle - ein neuer Rekord, der sich im Laufe der letzten Jahre stetig aufgebaut hat.
"Wir haben sukzessiv immer mehr Wolle bekommen. Auch, weil Schäfer aus anderen Regionen mit ihrer Wolle zu uns kommen. Es ist zum Beispiel auch so, dass wir dieses Jahr mehrere Schäfer oder Wollbringer hatten, die schon alleine eine Tonne mitbrachten und sie kamen auch aus Deutschland oder aus Luxemburg, weil es vielleicht auch in deren Ecke keinen Vertrieb oder keine Sammelstellen mehr gibt."

In erster Linie liege der stetige Anstieg der Wollemengen aber an der Arbeit verschiedener Partner, sagt Philippe Laschet, zum Beispiel Valbiom. Das Institut arbeitet daran, die Kreislaufwirtschaft für Bioressourcen in der Wallonie voranzutreiben. So unterstützt Valbiom das Sourbrodter Unternehmen Woolconcept zum Beispiel dabei, einen lokalen Kreislauf für Wolle zu schaffen.
Woolconcept kauft die Wolle, die bei der Aktion gesammelt wird und verarbeitet sie weiter: zu Dämmmaterial, Matratzen, Wolldecken oder "Terralan", einer Art Mulchersatz, der im Gartenbau zum Einsatz kommt. Damit die Wolle für die Weiterverarbeitung zu diesen Produkten bereit ist, muss sie aber erst einmal vorbereitet werden. Das passiert bei Traitex in Verviers.
"Das ist daher interessant, weil es eine der wenigen Wollwäschereien in Europa ist, die noch aus der Zeit von früher stammt und es ist ein riesiger Vorteil, dass sie vor der Haustüre ist. Bei Traitex wird die Wolle dann gewaschen und behandelt und dann wird sie nach Belgien rein zur weiteren Verarbeitung geschickt", so Laschet.

Wichtig sei dem Naturpark Hohes Venn/Eifel außerdem, dass auch Menschen, die nur wenige Schafe haben, ihre Wolle bei der Aktion abgeben können. Denn auch wenn geringe Mengen nicht unbedingt im großen Kreislauf landen, gibt es andere Verwendungsmöglichkeiten.
"Dieses Jahr hatten wir zum Beispiel mehrere Säcke Wolle übrig. Die haben wir dann auch so vermittelt, zum Beispiel an Privatleute, die die Wolle im Garten auslegen. Letztes Jahr hatten wir eine Kooperation mit dem Forstamt, das die Wolle zum Beispiel nutzt, um sie als Wildschutz an neue Forstpflanzen zu legen. Wir finden da immer irgendwelche Möglichkeiten, wenn die Mengen nicht zu groß sind."
Generell ist es wichtig, dass die Wolle, die abgegeben wird, sauber - also frei von Stroh und Kot - und nicht verfilzt ist. Wer sich dafür interessiert, seine Wolle bei der nächsten Sammelaktion im kommenden Jahr abzugeben, kann sich per E-Mail beim Naturpark Hohes Venn/Eifel melden (info@botrange.be).
Lindsay Ahn