Einen ungewöhnlichen Verlauf nahm am Montag ein Verfahren vor dem Eupener Strafgericht gegen eine 42-Jährige aus Welkenraedt. Ihr wird vorgeworfen, einen 77-jährigen Mann aus Amel über zweieinhalb Jahre betrogen und um rund 34.000 Euro gebracht zu haben. Der Mann, der zunächst über seinen Anwalt Schadensersatz in dieser Höhe gefordert hatte, stellte sich am Ende der Verhandlung jedoch hinter die Angeklagte.
Wie das Grenz-Echo berichtete, erklärte er, die Darstellung der Frau als böswillig und manipulativ entspreche nicht der Realität. Die beiden hatten sich während eines Aufenthalts in der Psychiatrie kennengelernt und laut dem Senior eine gute Beziehung zueinander entwickelt.
Auslöser der Ermittlungen war unter anderem die geplante Schenkung eines rund 1.000 Quadratmeter großen Grundstücks an die Frau zu ihrem 40. Geburtstag. Die Friedensrichterin erstattete daraufhin Anzeige wegen des Verdachts auf Übervorteilung einer schwachen Person.
Die Angeklagte räumte ein, gelegentlich um Geld gebeten zu haben, betonte aber, sich um den Mann gekümmert zu haben. Ihr Anwalt forderte einen Freispruch. Die Staatsanwaltschaft plädierte hingegen auf eine Arbeitsstrafe von 180 Stunden. Das mutmaßliche Opfer erklärte seinerseits, er wolle den Kontakt zur Angeklagten wieder aufnehmen und plane sogar, das Grundstück testamentarisch auf sie zu übertragen. Das Urteil soll am 19. Oktober verkündet werden.
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