Heute vor 25 Jahren erschütterten die Terroranschläge vom 11. September 2001 die Welt. Die Bilder der brennenden Türme des World Trade Centers, des zweiten Flugzeugeinschlags und des Einsturzes der Türme gingen um die Welt. 9/11 war nicht nur ein historischer Einschnitt, sondern auch ein außergewöhnliches Medienereignis.
"Es ist natürlich so, dass es ein nie da gewesenes Ereignis war, muss man sagen. Ein Terroranschlag dieser Art hat eigentlich die Welt noch nicht gesehen gehabt und hat die Medien natürlich da vor die Frage gestellt, wie damit umgehen", sagt der Kommunikationswissenschaftler Dr. Felix Koltermann. Er beschäftigt sich mit visueller Berichterstattung und der Rolle von Fotografie im Journalismus.
Am 11. September wurde das Fernsehen innerhalb kürzester Zeit zum wichtigsten Nachrichtenmedium. Die Sender schalteten auf Live-Berichterstattung um. Millionen Menschen verfolgten die Ereignisse weltweit nahezu zeitgleich.
"Teile des Ereignisses sind live im Fernsehen passiert", erklärt Koltermann. Für die Zeitungen stellte das eine besondere Herausforderung dar: Sie konnten erst am nächsten Tag reagieren – und mussten damit über Bilder berichten, die viele Menschen bereits selbst im Fernsehen gesehen hatten.
Entsprechend ähnlich sahen viele Titelseiten am 12. September aus. Zu sehen waren die brennenden oder rauchenden Türme, der Einschlag des zweiten Flugzeugs oder die zusammenstürzenden Gebäude. Einige Zeitungen nutzten großformatige Fotos, teilweise über die gesamte Titelseite.
Die Zeitungen hinkten der Entwicklung hinterher
Besonders deutlich wird die Herausforderung bei einem Blick auf die damaligen Produktionsabläufe. Die Ausgaben vom 12. September wurden am Nachmittag des 11. September produziert. Je nach Redaktionsschluss konnten die Zeitungen deshalb unterschiedlich stark auf die neuen Entwicklungen reagieren. Die Redaktionen mussten innerhalb kürzester Zeit Entscheidungen treffen – obwohl die Ereignisse noch liefen und immer neue Informationen eintrafen.
Ab dem 13. und 14. September verschob sich der Blick der deutschen Medien teilweise auch auf Hamburg. Dort hatten sich mehrere der späteren Attentäter aufgehalten. Je nach Produktionszeitpunkt konnten die Zeitungen diese Informationen unterschiedlich schnell aufnehmen.
Von Live-Berichterstattung zu "Breaking News"
Koltermann sieht im 11. September auch einen Wendepunkt für die Nachrichtenproduktion. Die Ereignisse hätten gezeigt, wie wichtig es für Medien geworden sei, unmittelbar auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren.
"Ganz grundsätzlich ist es so, dass eigentlich 9/11 dieses 'Breaking News, wir schalten sofort live' gepusht hat", erklärt der Kommunikationswissenschaftler. Liveblogs, Nachrichtenbanner und laufend aktualisierte Meldungen seien heute fester Bestandteil der Berichterstattung.
Die gedruckte Zeitung konnte die unmittelbare Erfahrung des 11. September zwar nicht wiedergeben. Einige Fotografien entwickelten sich jedoch zu ikonischen Bildern. Dazu gehören etwa Richard Drews' Aufnahme des sogenannten "Falling Man" oder das Foto der Feuerwehrleute, die auf den Trümmern des World Trade Centers die amerikanische Flagge hissen.
Mehr als 100 Zeitungen aus dem September 2001
Für seinen Vortrag im Internationalen Zeitungsmuseum in Aachen greift Koltermann auf eine besondere Sammlung zurück: mehr als 100 originale deutsche Zeitungen und Magazine vom 12. September 2001 und den darauffolgenden zwei Wochen. Darunter befinden sich Regionalzeitungen, überregionale Tageszeitungen, Boulevardblätter und Magazine. Die Sammlung macht auch sichtbar, wie unterschiedlich die Medien mit den Ereignissen umgingen.
Besonders interessant sind frühe und spätere Ausgaben einzelner Zeitungen an einzelnen Tagen. "Das sind natürlich zeitungsgeschichtlich einmalige Ereignisse, wo man nachvollziehen kann: Wie entsteht eigentlich Zeitung", sagt Koltermann. Teilweise wurden Bilder und Texte im Laufe des Tages noch ausgetauscht.
Auffällig ist außerdem, dass einige Zeitungen am 12. September Standbilder aus Fernsehbildern verwendeten – teilweise sogar noch mit den Logos der jeweiligen Sender.
Vom "Terror" zum "Krieg gegen den Terror"
Auch die Sprache der Berichterstattung veränderte sich innerhalb weniger Tage. Am 11. September standen Begriffe wie "Terror" und "Angriff" im Vordergrund. Kurz darauf setzte sich zunehmend die Formulierung "Krieg gegen den Terror" durch – auch als Reaktion auf die politische Einordnung der Anschläge durch die USA.
Für Koltermann zeigt sich darin eine weitere Besonderheit des 11. September: Die Bilder waren nicht nur Dokumentation, sondern selbst Teil der Wirkung des Anschlags. Terrororganisationen rechneten schon damals mit der medialen Verbreitung ihrer Bilder. "Terror hat eigentlich seit vielen Jahrzehnten auch Bildwirkung immer mit kalkuliert. Und das hat natürlich in diesem Fall auch leider funktioniert", sagt Koltermann. Die weltweite Verbreitung der Bilder sollte Angst erzeugen – und genau diese Wirkung wurde durch die globale Medienberichterstattung verstärkt.
Vortrag in Aachen
Am 30. September 2026 um 19 Uhr spricht Felix Koltermann im Internationalen Zeitungsmuseum Aachen über die visuelle Berichterstattung zum 11. September. Sein Vortrag trägt den Titel "25 Jahre 9/11 – Ein bildgewaltiges Medienereignis". Im Mittelpunkt stehen die mehr als 100 Originalzeitungen und Magazine aus den Tagen nach den Anschlägen.
Robin Emonts