In den vergangenen Tagen sind im Fall der tödlichen Auseinandersetzung im Eupener Scheiblerpark zahlreiche Zeugen verhört und Bildmaterial analysiert worden. Aktuell stehen noch Zeugenaussagen aus: die der anwesenden Kinder, da es dafür speziell geschulte Beamte braucht, und die Zeugenaussagen der Familie des Verstorbenen, da sie sich für die Beerdigung in der Türkei befindet.
Dennoch haben die Ermittler wichtige Infos zum Ablauf der Ereignisse zusammengetragen. Während eine Gruppe aus der Ukraine einen Geburtstag feierte, war der später Verstorbene türkischer Abstammung mit seiner Familie im Park unterwegs. Auf dem Sportplatz spielten die Kinder gemeinsam, bis es zu einem Streit kam. Der genaue Auslöser ist noch unklar, da die Kinder noch nicht verhört werden konnten.
Es kam zu einer Auseinandersetzung zwischen dem später Verstorbenen und einem ukrainischen Vater. Der Streit war zunächst verbal und wurde dann handgreiflich. Möglicherweise stand eine größere Gruppe Ukrainer um die beiden Personen herum. Ob diese in die Handgreiflichkeit eingegriffen haben, ist aktuell noch unklar, wie Andrea Tilgenkamp von der Staatsanwaltschaft mitteilte.
Daraufhin haben beide Personen die Polizei kontaktiert, die mit vier Personen ausrückte. Die Polizei hat nach der Ankunft mit dem später Verstorbenen gesprochen. Dieser zeigte auf den Ukrainer, mit dem er die Handgreiflichkeit hatte. Gleichzeitig zückte er ein Messer und lief auf den Mann zu. Ein anderer Ukrainer versuchte, dazwischenzugehen, und wurde dabei verletzt.
Die Polizei hatte den Angreifer laut den Zeugenaussagen mehrmals aufgefordert, zu stoppen – das sei nicht passiert. Außerdem sei es zum Einsatz von Pfefferspray gekommen, aber auch das blieb zwecklos. Der Mann stürmte weiter auf den ukrainischen Vater zu. Dann erfolgten die zwei Schüsse durch den Polizeibeamten.
Der Angreifer hat das Messer nach dem Anruf bei der Polizei in der Nachbarschaft geholt. Es handelt sich um ein Küchenmesser mit einer circa 20 Zentimeter langen Klinge. Der Staatsanwaltschaft liegen Videoaufnahmen vor, die aber nicht den ganzen Tathergang zeigen.
Zu sehen ist, wie die Polizei mit dem Angreifer spricht, wie das Messer gezückt wird und wie er in die Menge läuft. Die abgegebenen Schüsse sind auf dem Videomaterial nicht zu sehen. Ob die Bodycams der Polizei zum Einsatz kamen, ist auch noch unklar.
Der Polizist, der die Schüsse abgefeuert hat, ist laut Staatsanwaltschaft kein Anfänger. Er wird als erfahrener und sehr besonnener Polizist beschrieben.
Die Ermittlungen des Komitee P und des Untersuchungsrichters laufen weiter.
Laut der Staatsanwaltschaft gibt es viele Fehlinformationen in den sozialen Medien. Außerdem komme es vermehrt zu Hassrede und Beleidigungen im Netz. Polizei und Staatsanwaltschaft wollen das nicht dulden. Die betreffenden Personen riskieren eine Strafverfolgung.
Robin Emonts