Ziel der ZKB-Gründung war es, mehr Stabilität in die Kinderbetreuung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft zu bringen und gleichzeitig für ein geregeltes Arbeitnehmerstatut mit sozialer Absicherung zu sorgen. Zwei Jahre nach der Reform blicken die Verantwortlichen zufrieden auf viele Veränderungen zurück. So wurde das Betreuungsangebot deutlich ausgebaut - unter anderem mit rund 300 zusätzlichen Betreuungsplätzen.
Doch nicht nur das. "Wir haben in der außerschulischen Betreuung erreicht, dass wir fast jeden Antrag in der ersten Platzvergabe haben beantworten können, wir haben in der Kleinkindbetreuung jetzt deutlich mehr Plätze, die zur Verfügung stehen", erklärt ZKB-Direktor Matthias Zimmermann. "Gleichzeitig haben wir mit der Reform dafür gesorgt, dass die in der Kinderbetreuung tätigen Mitarbeiter jetzt ein korrektes Sozialstatut haben. Die Arbeitsbedingungen konnten wir auch verbessern. Natürlich ist das ein Prozess, der nicht von heute auf morgen geschieht, das gibt es im Laufe der Jahre viele kleine Stellschrauben zu stellen, aber die Weichen sind gesetzt, die Richtung stimmt und ich glaube schon, dass man eine deutliche Verbesserung in der Wirkung dieser Reform jetzt auch feststellen kann."
Insgesamt werden in der Deutschsprachigen Gemeinschaft täglich fast 2.000 Kinder an mehr als 80 verschiedenen Standorten betreut. Auch finanziell hat sich in der Kinderbetreuung einiges getan: Seit 2019 hat die DG die Mittel von jährlich 2,5 Millionen auf heute 10,7 Millionen Euro mehr als vervierfacht. Für die konventionierten Tagesmütter wurde zudem ein Vollstatut mit einer 38-Stunden-Woche und zusätzlichen Leistungen geschaffen. Auch Teilzeitkräfte erhielten die Möglichkeit, ihre Arbeitsstunden aufzustocken.
Positive Entwicklungen habe es auch im Bereich der Ausbildung gegeben. In Zusammenarbeit mit der Berufsvereinigung für Krankenpflege und Pflegehilfe in Belgien (KPVDB) ist eine eigene Ausbildung zum Kinderbetreuer entstanden. Vermittelt werden in der einjährigen Ausbildung sowohl theoretische als auch praktische Inhalte. 100 Kinderbetreuer wurden so bereits ausgebildet. Gleichzeitig erhielten Betreuer, die bislang zum Tarif des Kinderbegleiters bezahlt wurden, über eine Nachqualifizierung die Möglichkeit, aufzusteigen.
"Im ersten Durchlauf haben wir 21 Personen nachqualifiziert und im zweiten noch einmal fünf. Und das war schon eine Spitzenleistung von den Teilnehmern, denn die haben das nebenberuflich gemacht", erklärt Josiane Fagnoul von der KPVDB. "Im Vergleich zu den anderen Ausbildungen, die von der KPVDB angeboten werden, also die zum Pflegehelfer und die zum Familien- und Seniorenhelfer, kann ich wirklich sagen, dass im Bereich der Kinderbetreuer bedeutend mehr Interesse ist und bedeutend mehr Bewerbungen eingehen. Da kann man also wirklich sagen, dass da noch viel Interesse und Motivation ist."
Dass weiterhin neue Kinderbetreuer nachrücken, bleibt wichtig. Denn auch wenn sich die Situation verbessert hat: Der Bedarf an Kinderbetreuung ist in der DG noch nicht hundertprozentig abgedeckt.
"Letztendlich hängt es ja wirklich auch davon ab, welchen Bedürfnisse die Eltern haben und welches Angebot sie genau möchten, welche Öffnungszeiten oder ob sie in Schichten arbeiten", sagt die zuständige Ministerin Lydia Klinkenberg. "Das sind alles Dinge, die berücksichtigt werden müssen bei der Planung der Kinderbetreuung. Wir haben durch das Zentrum für Kinderbetreuung der Deutschsprachigen Gemeinschaft einen kompetenten Partner an unserer Seite, der mit uns das Ganze eng begleitet und schaut, wo neue Angebote aufgebaut werden müssen."
Konkrete Entwicklungen gibt es aktuell in der Krippe von St. Vith. Sie soll im Oktober erweitert werden und in Zukunft Platz für insgesamt 48 Kinder bieten. Auch in Manderfeld wurde eine Betreuungsstruktur abgesichert, um ein dezentrales Angebot zu gewährleisten.
Um die Kinderbetreuung in der DG langfristig abzusichern, soll es auch einen neuen rechtlichen Rahmen geben. Der bisherige Rechtstext soll komplett neu geschrieben werden, um den reellen Bedingungen besser zu entsprechen. Außerdem will die Deutschsprachige Gemeinschaft die Kinderbetreuung künftig auch digital zugänglicher machen - mit einem eigenen Online-Tool, über das Eltern künftig leichter auf die Angebote des ZKB zugreifen können.
Lindsay Ahn