Die Schule in Recht soll ausgebaut werden. Darüber sind sich Mehrheit und Opposition im St. Vither Stadtrat einig. Für Unmut sorgte allerdings die späte Vorlage des Lastenhefts.
Laut Schulschöffin Margret Schmitz herrscht in Recht "dringender Handlungsbedarf": Der Kindergarten zählt alleine 78 Kinder, von denen die Jüngsten schon in Containern untergebracht sind. Auch in der Primarschule ist die Tendenz steigend, weil mehr Schüler hinzukommen als weggehen.
Geplant sind zusätzliche Klassen und ein Ruheraum. Der Bewegungsraum wird erweitert, der Speiseraum auf eine Kapazität von rund 150 Kindern vergrößert, die Küche modernisiert, das Lehrerzimmer vergrößert. Ein neuer Aufzug vom Keller bis zum Dachgeschoss soll eingebaut werden, aus Brandschutzgründen wird auch eine Feuertreppe angebracht. Außerdem wird der Ausbau der 1. Etage mit Blick auf eine mögliche spätere Erweiterung vorbereitet.
Alexander Wansart freute sich, dass "dieses stimmige Projekt" nach anderthalb Jahren intensiver Vorbereitung nun vorliege. Trotz eines relativ engen Zeitplans hätten auch die Lehrer die Möglichkeit gehabt, das Vorprojekt zur Kenntnis zu nehmen. Daraufhin seien auch gewisse Anregungen berücksichtigt worden. Der angepeilte Kostenrahmen von 2,45 Millionen Euro wurde aber eingehalten.
Frühere Schulschöffin erlebt "Déjà-vu"
Das 49-seitige Lastenheft war den Stadtratsmitgliedern erst wenige Stunden vor der Sitzung zugestellt worden. Wegen der Bedeutung des Projekts beantragte Steffi Pauels darum, die Verabschiedung zu vertagen, um das Lastenheft mit genügend Zeit und Muße besprechen zu können. Darauf wollte sich die Mehrheit aber nicht einlassen, weil das Projekt bis zum 1. September bei der Deutschsprachigen Gemeinschaft eingereicht werden muss, um im Infrastrukturkatalog der DG berücksichtigt werden zu können. Allerdings seien im Nachhinein noch Anpassungen möglich, solange das Projekt nicht ausgeschrieben sei.
Die frühere Schulschöffin Anne-Marie Hönders-Hermann sprach von einem "Déjà-vu", weil Politiker der heutigen Mehrheit ihr seinerzeit vorgeworfen hätten, dass für den Schulneubau in Emmels nicht alle Unterlagen zeitig vorgelegen hätten. In der Fragestunde bedauerte sie später, dass der Umzug in die neue Schule nun nicht zum Schulbeginn erfolge, sondern erst im Oktober. Sie wollte wissen, wie bis dahin der Schulweg gesichert werde, da sich im direkten Umfeld zwei Baustellen befinden: eine private und eben die mit den abschließenden Arbeiten für das neue Schulgebäude.
Schulschöffin Margret Schmitz sagte, dass die Absperrgitter, die zu Beginn der Sommerferien entfernt wurden, für die Zeit bis zum Umzug wieder angebracht würden und die Polizei wie bisher ein Auge auf die Situation werfe. Bürgermeister Werner Henkes ergänzte, dass die Mehrheit gerne auch Anregungen von Anne-Marie Hönders-Hermann annehme, die sich als Mutter mit der Situation in Emmels schließlich bestens auskenne.
Sporthalle Recht, Kinderkrippe, Tennishalle
Der St. Vither Stadtrat bewilligte noch eine Reihe weiterer Infrastrukturprojekte. An der Sporthalle in Recht wird ein Lift angebracht, um den Zugang behindertengerecht zu gestalten.
An der Kinderkrippe in St. Vith wird der Küchenbereich im schon vorher bestehenden Gebäudeteil angepasst. Die erweiterte Kinderkrippe startet dann ab Oktober erst mal mit zwölf von 24 Plätzen.
Der Tennisclub St. Vith erhielt vom Standrat eine definitive Zusage von 180.000 Euro an städtischem Zuschuss. Für die Sanierung der Dächer, Fassaden und Innenplätze sind insgesamt rund 720.000 Euro veranschlagt, die DG trägt 60 Prozent der Summe.
Neubau von Turnhalle mit Probelokal
Eine prinzipielle Zusage gab es für das gemeinsame Projekt des St. Vither Turnvereins und des Musikvereins "Eifelklang" zum Bau einer Turnhalle mit Probelokal. Von den geschätzten Kosten über 2,3 Millionen Euro stellt die Stadt fast 600.000 Euro in Aussicht.
Bürgermeister Werner Henkes schilderte ausführlich die bisherige Trainings- bzw. Probensituation beider Vereine, die zu den ältesten der Stadt gehören. Nach vielem Hin und Her habe sich endlich ein Standort gefunden.
Bernd Karthäuser und Alexander Wansart begrüßten ihrerseits das gemeinsame Projekt einer "dauerhaften Bleibe", während Dorothea Schwall-Peters bei aller Zustimmung ihre Sorge äußerte, ob der Musikverein als der kleinere Partner das Projekt im Nachhinein stemmen könne. Werner Henkes versuchte die Sorge mit dem Hinweis zu zerstreuen, dass es sich um nichts handele, was sich nicht überschauen ließe.
Behutsamer Umgang mit dem Trinkwasser
In der Fragestunde erkundigte sich Dorothea Schwall-Peters nach dem Wasserverbrauch im Sommer, nachdem die Stadt ihren Bürgern wie in anderen Gemeinden empohlen habe, diesen wegen der anhaltenden Trockenheit einzuschränken.
Schöffin Gaby Schröder berichtete von einem höheren Verbrauch von Trinkwasser, auch weil private Brunnen und Regenwasserzisternen irgendwann leer gewesen seien. Die Gemeinde sei in der glücklichen Lage, seinerzeit ergiebige Wasserquellen erschlossen zu haben.
Sie teilte aber die Einschätzung ihrer Fraktionskollegin, dass mit dem Wasser behutsam umgegangen werden müsse. "Wir können nur hoffen, dass der Herbst richtig nass wird und wir nochmal einen richtigen Winter kriegen", so Gaby Schröder und sie fügte hinzu: "Seid vorsichtig mit dem Wasser!"
Stephan Pesch