Anhaltende Trockenheit kann für Besitzer von kleinen Waldparzellen schnell zum Problem werden. Jungpflanzen trocknen aus, ältere Bäume geraten unter Stress – und auch die Gefahr von Waldbränden steigt.
Auf einer Parzelle in der Nähe von St. Vith hat die Unterstützungszelle für kleine Privatwälder (Cellule d'Appui à la Petite Forêt Privée) erst im Frühjahr gemeinsam mit dem Besitzer neue Jungbäume gepflanzt. Darunter Douglasien, Eichen und Lärchen. Sie sollten den Bestand ergänzen und den Wald langfristig widerstandsfähiger gegen den Klimawandel machen.
Doch einige der Jungbäume kamen bisher nicht gut mit der Trockenheit zurecht. "Die Ergebnisse sind gemischt. Manche Pflanzen wachsen aber gut. Wir freuen uns zum Beispiel sehr über die Eichen und Lärchen, die so gut angewachsen sind", erklärt Vincent Colson von der Cellule d'appui. "Besorgt waren wir hingegen um die Douglasien und Kiefern. Die Verluste im Frühjahr und Sommer können wir noch nicht beurteilen. Erst im Herbst werden wir das tatsächliche Ausmaß der zu ersetzenden Bäume sehen."
Trotz der bestehenden Trockenheit ist die Brandgefahr in der Parzelle gering einzuschätzen. "Wie Sie sehen, ist hier noch alles schön grün und die Vegetation ist nicht besonders leicht entflammbar. Außerdem liegt die Parzelle nicht in der Nähe eines frisch abgeernteten Feldes. Es gibt auch kein Pfadfinderlager oder Ähnliches in unmittelbarer Nähe - ich möchte den Pfadfindern nichts unterstellen, aber solche Orte können das Risiko ebenso erhöhen wie ein Grillplatz. Wir befinden uns hier mitten im Wald bei St. Vith, deshalb ist die Brandgefahr auf dieser Parzelle derzeit eher gering."
Doch nicht jede Parzelle ist gleich. In Richtenberg in Burg-Reuland sieht die Situation zum Beispiel anders aus. Dort befindet sich eine Parzelle, die seit rund acht Jahren von Joseph Werding gepflegt wird. Sie befindet sich direkt an einem Waldweg. Allein das führt in Zeiten von Trockenheit zu einem gewissen Risiko - denn wie Vincent Colson betont, entstehen rund 95 Prozent der Waldbrände durch Menschen. Auch Totholz entlang des Weges erhöht die Brandgefahr.
Zudem macht sich die Trockenheit in der Nähe der Parzelle stark bemerkbar. "Was wir hier beobachten, ist wirklich eine Anbahnung einer mittleren Katastrophe, was Trockenheit angeht, für die Wiesen und Felder, aber besonders auch für die Wälder, die hier an den Hängen angepflanzt sind", sagt Joseph Werding. "In meiner ganzen Karriere - das sind mehr als sieben Jahrzehnte - habe ich nie gesehen, dass so wenig Wasser hier von dem Weilerbach herunterkommt. Der Federbach war nie so trocken wie zurzeit. Man muss wissen, dass das früher die Verbindungsstraße zwischen Lahscheid und Ouren war, und wenn man mit einem Pferdewagen kam, dann musste man unbedingt Stiefel anziehen, sonst kam man nicht hier durch. Davon ist nichts mehr geblieben."
Die Hilfe der Unterstützungszelle nimmt Joseph Werding gerne in Anspruch. Nachdem die Parzelle in der Vergangenheit mit dem Borkenkäfer zu kämpfen hatte, schlug die Unterstützungszelle einen Kahlschlag und die Neubepflanzung der Parzelle vor. Seitdem geht es den Pflanzen und Bäumen wieder sehr gut.
"Wir haben inzwischen acht verschiedene Pflanzenarten hier, von denen die Zelle denkt, dass sie klimaresistent sind. Ob das wirklich die richtige Wahl war, wird die Menschheit erst in 50 oder 60 Jahren erfahren, aber wir müssen es trotzdem in Angriff nehmen", so Werding.
Um den Wald wirklich widerstandsfähig zu machen und nicht nur kurzzeitig zu schützen, müssen langfristige Lösungen her – ein richtiges Allheilmittel gibt es aber noch nicht. Denn nicht jeder Baum reagiert gleich auf Trockenperioden - oft sind die Folgen erst Jahrzehnte später sichtbar.
"Schon vor zehn Jahren haben wir im Westen der Wallonie Eichen gesehen, die erst Jahrzehnte nach der Dürre von 1976 abzusterben begannen", erklärt Vincent Colson. "Es hat rund vierzig Jahre gedauert, bis diese Bäume tatsächlich abgestorben sind. Für Eichen ist jede Dürre wie ein weiterer Schlag: Sie halten lange durch - doch irgendwann geben sie nach. Auch bei Buchen sehen wir inzwischen deutliche Anzeichen von Stress. Die Kronen werden dünner, weil sie weniger Blätter tragen. Das zeigt, dass ein Absterbeprozess begonnen hat, auch wenn noch keine Eile geboten ist."
"Mittelfristig müssen wir beobachten, ob einzelne Bäume gefällt werden sollten, bevor sie zu stark an Wert verlieren. Langfristig geht es aber auch darum, die Waldwege zu verbessern und die Zufahrt zu erleichtern. Einige Gemeinden in der Wallonie haben dafür bereits Fördermittel aus der Gemeinsamen Agrarpolitik erhalten. Ziel ist nicht, Autobahnen durch den Wald zu bauen, sondern dafür zu sorgen, dass Rettungsfahrzeuge die betroffenen Flächen im Ernstfall schneller erreichen können."
Die Unterstützungszelle arbeitet unter anderem auch an Gruppenangeboten für Parzellenbesitzer. Denn den Wald der Zukunft zu gestalten, ist eine Aufgabe, die langfristig nur gemeinsam gelingen kann.
Lindsay Ahn




