Mehr als eine Million Haushalte in der Wallonie, so sagt Joël Privot, liegen weniger als 200 Meter von einer Fläche entfernt, in der eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für die Gefahr eines Waldbrandes besteht. Der Architekt und Stadtplaner von der Universität Lüttich bezieht sich dabei auf eine Karte, die seit Kurzem im Geoportal der Wallonischen Region abrufbar ist. Privots Schlussfolgerung lautet: Die Gefahr besteht und es müssen Vorbeugemaßnahmen getroffen werden.
"Bei Wohnhäusern, Gebäuden oder Infrastruktur in der Nähe von Gefahrengebieten muss man sich ernsthaft Gedanken machen. Vielleicht werden Menschen nicht direkt durch das Feuer beeinträchtigt, das sieht man in Frankreich, aber giftiger Rauch ist ein Problem", so Privot. "Bei uns in der Wallonie haben wir noch nie über dieses Problem nachgedacht", sagt er. "Die Erderwärmung ändert die Klimastabilität. Daher dürfen wir die Raumplanung nicht mehr so betrachten wie in den letzten 50 Jahren."
Prävention durch geeignete Schutzmaßnahmen
Die angesprochenen vorbeugenden Maßnahmen, um Gebäude und Infrastruktur vor Waldbränden zu schützen, betreffen gleich mehrere Aspekte. Privot zählt einige in Frageform auf: "Wie passt man das Gebiet an, um zu verhindern, dass Brände auf Wohngebiete und Industriegebäude übergreifen? Wie sorgt man dafür, dass ausreichende Wasserreserven zur Verfügung stehen? Wie plant man den Bau von feuerfesten Gebäuden?" Er weist darauf hin, dass es bei den betroffenen Bauwerken nicht nur um Privathäuser oder Gewerbeflächen, sondern häufig auch um Einrichtungen wie Krankenhäuser, Schulen oder Altersheime geht.
Das von Privot geforderte Umdenken in der Raumordnung bezieht er ausdrücklich auch auf die Infrastruktur. Als Beispiel nennt der Architekt und Stadtplaner das Gewerbegebiet Kaiserbaracke oder die Wasseraufbereitungsanlage an der Wesertalsperre. "Es geht nicht um die Frage, ob eine Gefahr besteht", meint er. "Die Frage ist: Was tun wir, wenn das Problem auftritt? Welche Notfallmaßnahmen haben wir vorgesehen? Wie haben wir die Dinge geplant? Wie haben wir unsere lebenswichtigsten Infrastrukturen geschützt?"

Waldbrände längst nicht nur eine Angelegenheit der Feuerwehr
Und allzu oft bestehe in der Bevölkerung die Annahme, dass Waldbrände einen gar nichts angingen, erklärt Privot. "Das ist ein Problem, mit dem wir es in der Wallonie zu tun haben. Das lässt sich aber auch in anderen Ländern beobachten, nämlich die Vorstellung, dass Waldbrände eine Angelegenheit ist, die nur die Feuerwehr betrifft."
Wer von vorbeugenden Maßnahmen beim Schutz vor den Auswirkungen von Waldbränden spricht, spricht auch über zusätzliche Kosten. Doch dafür Geld in die Hand zu nehmen, ist laut Privot unumgänglich, denn sonst könnte es noch weitaus teurer werden.
"Man muss sich anpassen, sonst entstehen Kosten. Das gilt für Brände ebenso wie für Überschwemmungen. Man kann den Kopf in den Sand stecken und so tun, als würde nichts passieren. Man kann sagen, dass das alles Unsinn ist. Man kann es leugnen - aber irgendwann muss jemand dafür aufkommen. Ich erinnere an die Überschwemmungen im Juli 2021: Das hat die Gesellschaft fünf Milliarden Euro gekostet."
Was Waldbrände und den Schutz vor solchen Feuern betrifft, sei das Wissen in Belgien noch begrenzt, sagt Privot. Aber man könne hier die Erfahrungen und Erkenntnisse nutzen, die Länder wie Frankreich und Spanien auf so schmerzhafte Weise gesammelt haben.
Moritz Korff