Wie passen Stofftiere und das Thema sexuelle Gewalt an Minderjährigen zusammen? Stofftiere, die süß und weich sind und für viele Kinder wie beste Freunde sind. Sehr gut können die das ernste Thema "Sexuelle Gewalt" widerspiegeln, sagt Uwe Koeberich, der das Projekt eines Stofftierbaums in Kelmis mit dem Rat für Zusammenleben umsetzen möchte.
"Weil sie ja so 'süß' sind, wollen wir die in einen Baum hängen. Und mit der Zeit, mit der Witterung, werden ja auch diese Stofftiere immer hässlicher. Da steckt der Gedanke dahinter, dass wir so das Thema sexuelle Gewalt an Kindern sichtbar machen wollen. Weil wir reden darüber nicht, es wird immer noch sehr tabuisiert."
Umso wichtiger sei es, dem Thema Aufmerksamkeit zu schenken. Uwe Koeberich liegt das Thema am Herzen - denn er selbst ist Opfer von sexuellem Missbrauch in seiner Kindheit gewesen. Mit seiner Offenheit will er anderen Mut machen. "Ich möchte Jugendlichen oder Kindern zeigen, dass es mir passiert ist", sagt er.
"Ich habe als erwachsene Person sehr viel, als ich Anfang zwanzig war, darüber geredet. Ich kann auch nur für mich persönlich sprechen. Es gibt Zeiten, da rede ich gar nicht darüber und dann gibt es Zeiten, wo ich dann halt getriggert bin durch bestimmte Situationen. Ich kann auch keinem einen besonderen Ratschlag geben, weil sehr oft kommen auch Leute zu mir und fragen: 'Was würdest du mir für einen Ratschlag geben?'"
Wer sexuellen Missbrauch als Jugendlicher erlebt hat, will aber vielleicht auch gar nicht mit Freunden oder Familie darüber reden. Wer ist dann die Anlaufstelle, um in einem geschützten Rahmen darüber zu sprechen?
"Ich wusste, damals gab es im PRT, im Patientenrat und Treff auf der Aachener Straße, scheinbar eine Selbsthilfegruppe. Ich weiß, dass bei häuslicher Gewalt Prisma verantwortlich ist, aber mir ist jetzt persönlich nicht bekannt, an welche Institution man sich wenden könnte, wenn man selber als Kind oder jugendliche Person sexuellen Missbrauch erlitten hat", sagt Uwe Koeberich.
Der Stofftierbaum im Herbst ist eine Aktion, um auf das Thema aufmerksam zu machen, weitere sollen in Form von Informations- und Präventionsabenden folgen: "Wir wollen Erziehungsberechtigte oder Lehrer ansprechen. Alle Personen, die sich für das Thema interessieren, sind herzlich eingeladen. Auch wenn sie außerhalb von Kelmis kommen, wir sind offen dafür."
Was passiert, wenn ich selber davon betroffen bin? Wo kann ich mal vielleicht hingehen? Diese Fragen sollen dort gestellt und beantwortet werden: "Weil es ist ja auch wieder ein Schritt. Wir wissen, viele betroffene Menschen wissen gar nicht, was das für ein rechtlicher Schritt ist. Mit wem kann ich darüber reden? Es ist halt sehr tabuisierend, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen."
Zurück zu den Stofftieren, die im Herbst symbolisch an einen Baum gehängt werden sollen. Jeder darf welche abgeben - ob betroffen oder nicht. "Also jedes Stofftier ist willkommen", sagt Uwe Koeberich.
"Ich glaube, man darf solidarisch sein. Man darf Stofftiere abgeben, wenn man selber nicht betroffen ist. Für Betroffene ist es wieder was ganz anderes. Wir haben ja dieses Projekt schon mal in Eupen gemacht vor Jahren und da haben auch Leute zu dem Stofftier, was die abgegeben haben, zum Beispiel ein kleinen Brief dazugelegt, dass sie selber betroffen waren."
Die Stofftiere für die Aktion können täglich im ÖSHZ in Kelmis abgegeben werden. Ab August nimmt auch das Haus der Familie in Kelmis Stofftiere an.
Lena Orban