Wer am Töpfereimuseum in Raeren parkt und gleich zwischen Museum und Haus Raeren in einen kleinen Weg einbiegt, ist innerhalb von fünf Minuten am Katzekönkel. Hier fließt der Periolbach zwischen Töpfereinmuseum und Marienheim. Große Steine liegen im Bachbett, bilden Stufen, über die das Wasser fließen kann.
"Katzekönkel" - ein Name, der erstmal für Fragezeichen sorgt. "Könkel ist ein Wort, das aus der Mundart kommt, aus dem Plattdeutschen", erklärt Ralph Mennicken, der ehemalige Direktor des Töpfereimuseums. "Könkel bedeutet ursprünglich eine natürliche Vertiefung in einem Bachbett. Als Kinder kannten wir das, wenn wir in den Bächen spielten. Überall gab es da kleine Tümpel."
"Woher der Name 'Katzekönkel' kommt, das ist wiederum sehr umstritten und das weiß man eigentlich nicht. Es gibt Leute, die vermuten, dass hier früher die Jungkatzen ertränkt wurden, die überflüssig waren in den Bauernhöfen. Aber das ist historisch in keiner Weise belegt und wahrscheinlich eher eine Volkssage als die Wahrheit." Viel Wasser fließt hier in diesen Tagen nicht. Die Hitze der letzten Woche hat das Bachbett austrocknen lassen.
Aber wie kommt die Keramik ins Spiel? Offensichtlich sieht der Ort nämlich nicht nach alter Töpferstätte aus. Dessen Geschichte beginnt schon vor rund 500 Jahren. Der Periolbach diente damals als Verbindungsweg zwischen verschiedenen Raerener Weilern, um Pötte von A nach B zu transportieren. "Die Töpfer produzierten vor Ort und mussten dann natürlich Unmengen ihrer Erzeugnisse nach außen transportieren", erzählt Mennicken. "Das ging hauptsächlich in Richtung Aachen."
"Um diese Töpfe dorthin zu bringen, konnte man sich nur mit Fuhrwerken behelfen. Und wenn man die Straßenverhältnisse der damaligen Zeit kennt, die ganz anders waren als heute, dann muss man sich vorstellen, dass das gar nicht so einfach war. Daher suchte man jede Möglichkeit, natürliches Gelände auszunutzen. Das hier ist so eine Möglichkeit. Der Periolbach hat einen relativ breiten Hohlweg gegraben, der von der damaligen Mühle, die heute das Marienheim ist, in Richtung Burg führt."
Für die Töpfer aus Botz oder aus Neudorf war das die Lösung: Einfach in das Bachbett einfahren, um so zur Burg gelangen, um von da aus weiter nach Aachen zu kommen. Bei wenig Wasser wie derzeit gar kein Problem - aber der Periolbach führt auch immer mal wieder viel Wasser. Auch das Gefälle machte es für die Fuhrwerke schwierig, ins Bachbett einzufahren.
Dafür hatte man schon früh eine Lösung, sagt Mennicken. "Man hat aus dem Steinbruch hier dreihundert Meter weiter große Steinquader geholt und zwei Staustufen angelegt. Und das sind diese sogenannten Könkel, wo also der Wasserdruck gehemmt wurde, wo das Wasser über zwei Stufen zum gleichmäßigen Überlaufen gebracht wurde und wo an der Seite eine Einfahrt war. Bis vor wenigen Jahren sah man hier noch eine richtige Pflasterung in dieser Einfahrt, damit die Fuhrwerke ordnungsgemäß ins Bachbett einfahren konnten. Und an der Burg Raeren verließen die Fuhrwerke dann das Bachbett wieder und fuhren auf die ordnungsgemäße Straße Richtung Berlotte, Walheim und Kornelimünster."
Das alles kann man vor Ort noch gut nachvollziehen. Die Staustufen, der seitliche Weg, alles noch da. Eine Infotafel erzählt die Geschichte dieses besonderen Ortes. Gleichzeitig kann man hier mit etwas Glück ein paar Tiere, zum Beispiel Eichhörnchen in den Bäumen, beobachten. Spaziergänger kommen mit ihren Hunden vorbei und ganz leise plätschert der Periolbach dahin.
Lena Orban




