Klinkenberg untersucht, wie Computermodelle künftig helfen können, Risiken schneller zu erkennen. Die Flut im Sommer 2021 hat sie selbst miterlebt. "In dem Sommer war ich tatsächlich in Ostbelgien. Freunde von mir waren stark betroffen. Das ganze Haus wurde überflutet. Wir sind helfen gegangen, den Schlamm aus der Garage zu schaufeln. Das war beeindruckend. Sie mussten die Eingangstreppen alle abreißen und neu aufbauen."
Auslöser für ihre Studienwahl war die Katastrophe allerdings nicht. Im Rahmen ihres Bachelor-Studiums in Künstlicher Intelligenz und Kognitionswissenschaften - ein Forschungsfeld, das untersucht, wie der Mensch Informationen verarbeitet, lernt und Entscheidungen trifft - entdeckte sie während eines Auslandssemesters ihr Interesse für Umwelt und Ressourcenmanagement. In Alaska belegte sie Kurse zu Erdbeben, Überschwemmungen und Fernerkundung - also zur Auswertung von Satelliten- und Luftbildern.

Derzeit schreibt Clara Klinkenberg ihre Masterarbeit in Island. Darin vergleicht sie verschiedene Computermodelle, die bei Naturkatastrophen eingesetzt werden. Ziel ist es herauszufinden, welche Modelle sich für welche Fragestellungen besonders eignen.
"Kein Modell bildet die Realität vollständig ab", erklärt sie. Forschende müssten deshalb entscheiden, welche Daten für eine Vorhersage wichtig sind - und welche nicht. Die Stärken und Schwächen verschiedener Modelle untersucht sie in ihrer Arbeit. Am Ende will sie einen Leitfaden erstellen, der Forschern bei der Auswahl des für ihre Fragestellung geeigneten Modells hilft.
Für solche Modelle stehen heute riesige Datenmengen zur Verfügung. Wetterdaten, Bilder oder Messwerte werden über Jahre hinweg gesammelt und können mit Hilfe von KI ausgewertet werden. Ein wichtiger Baustein ist das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus, dessen Satellitendaten frei zugänglich sind.
So leistungsfähig KI auch ist - absolute Gewissheit gibt es nicht. Das wird zu oft falsch kommuniziert, sagt Clara Klinkenberg. "KI-Modelle werden niemals sagen: Das Wasser wird an Tag x an Uhrzeit y auf 4,20 Meter ansteigen. So funktionieren die Modelle nicht. Die funktionieren so, dass sie sagen: Mit achtzigprozentiger Wahrscheinlichkeit wird das Wasser in diesem Zeitfenster zwischen 3,5 Meter und 4 Meter ansteigen. Das Wichtigste ist, dass man bei Modellen diese Unsicherheitsdaten mitgibt. Wenn es eine achtzigprozentige Wahrscheinlichkeit gibt, dann gibt es auch eine zwanzigprozentige Wahrscheinlichkeit, dass etwas nicht passiert oder das außerhalb dieser Daten ist."
KI ersetzt deshalb keine Entscheidungen. Sie liefert Informationen, die Menschen anschließend bewerten und in konkrete Maßnahmen umsetzen müssen. "KI kann uns sehr schnell Resultate geben. Dann geht es darum, dass man als Mensch die Information nutzt, um die richtigen Reaktionen herbeizuführen."
Dabei geht es längst nicht nur um Wetterprognosen. KI kann auch helfen, den Einsatz von Rettungskräften zu planen oder zu erkennen, welche Straßen bei einer Überschwemmung unpassierbar werden und welche Orte abgeschnitten sein könnten.
Für Clara Klinkenberg liegt die größte Herausforderung deshalb nicht in der Technik, sondern im Umgang mit ihrem Wissen. "Die Modelle sind eigentlich sehr eindeutig. Wir wissen, wo wir hingehen, wenn wir genau so weitermachen(...). Die Frage ist jetzt, wie wir als Gesellschaft darauf reagieren. Wir wissen eigentlich, wie wir handeln müssen, wir tun es nur nicht."
Künstliche Intelligenz wird Hochwasser nicht verhindern. Sie kann aber dazu beitragen, Risiken früher zu erkennen und Einsatzkräfte schneller mit wichtigen Informationen zu versorgen. Entscheidend bleibt, wie Politik, Behörden und Gesellschaft dieses Wissen nutzen.
Wer sich mit dem Thema KI-Modelle befassen möchte, dem empfiehlt Clara Klinkenberg folgende Seiten als Einstieg in die Thematik:
- elementsofai.com - dort Land bzw. Sprache auswählen (Kurs mit Anmeldung, kostenlos)
- plattform-lernende-systeme.de - dort den Suchbegriff "best pratices" eingeben
- Die Daten der europäischen "Kopernikus"-Satelliten
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Gaby Zeimers