"Das war ja ein Ereignis, das keiner von uns absehen konnte", sagte Sabine Preiser-Marian in der Rückschau auf Mitte Juli 2021. Sie war damals die Bürgermeisterin von Bad Münstereifel. "Es fing schon damit an, dass wir die Wetterwarnung nicht einschätzen konnten: Wie hoch wird der Wasserstand sein? Wie wirkt sich das auf die Bevölkerung aus? Und wie's dann wirklich vor Ort zum Ausdruck kam, das hätte keiner absehen können."
Gleichzeitig galt es zu handeln, "da zu sein für die Bevölkerung, Ansprechpartnerin zu sein, Entscheidungen zu treffen, Hilfestellung zu geben." Dabei seien viele Mitarbeiter in der Stadtverwaltung selbst betroffen gewesen. Und es galt zu koordinieren zwischen der "Blaulichtfraktion", wie sie sagt, und den vielen freiwilligen Helfern.
"Nicht aufgeben, dranbleiben!"
Schnell musste auch Kontakt aufgenommen werden mit den übergeordneten Behörden und mit den Medien: "Also für mich war es sehr wichtig, dass kommuniziert wurde, dass man in den Austausch kam."
Das zeige sich noch heute: "Wir haben es geschafft, dass bundesländerübergreifend Wissen ausgetauscht wird, dass wir Netzwerke bilden, wo wir Dinge, die wir gelernt haben, austauschen können und erkennen: Wir sind nicht morgen fertig! Wir brauchen Zeit dafür."
"Diesen Mut zu vermitteln, nicht aufzugeben, weiter dranzubleiben, Vertrauen zu haben in diejenigen, die die Entscheidungen treffen, die alles möglich machen. Das sollte uns in die Zukunft tragen", sagt Sabine Preiser-Marian.
"Wir sind nicht morgen fertig!"
In Bad-Münstereifel ist schon vieles neu oder wieder aufgebaut worden. "Was wir schnell umsetzen konnten, auch wirtschaftlich wieder halbwegs funktionstüchtig zu bleiben oder den Tourismus wieder in Gang zu bringen, das haben wir gemacht." Aber, sagt Preiser-Marian, "es bleibt noch sehr viel zu tun, gerade auch, was den Hochwasserschutz anbelangt. Das erfordert Planung, finanzielle Mittel. Das sind Prozesse, die dauern einfach."
"Wir müssen noch viele Entscheidungen treffen. Wir müssen viel aushalten, die gesamte Stadtgesellschaft muss viel aushalten. Und so geht 's den anderen Flutregionen auch."
Sabine Preiser-Marian wünscht sich, dass aus den ehrenamtlichen Strukturen, die nach der Flut entstanden sind, Initiativen erwachsen, "die uns dann nicht nur das Vertrauen geben, sondern uns auch wirklich unterstützen."
Stephan Pesch