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Zuschauen erwünscht: Steinmetze am Aachener Dom

07.07.202610:55
  • Aachen
Steinmetze bei der Arbeit
Bild: Michaela Brück/BRF

Auf dem Aachener Katschhof kann man jungen Steinmetzen bei der Arbeit zusehen. Bis Mitte September zeigt die offene Dombauhütte, wie die Gesellen filigrane Bauteile erneuern.

Aus rohen Sandsteinblöcken stellen die Steinnmetze sogenannte Fialen her, Türmchen für die gotischen Nebenkapellen des Doms, die für die Statik von Bedeutung sind. Die Fialen der Annakapelle und der Matthiaskapelle sind durch Witterungseinflüsse stark beschädigt. Vier von ihnen wurden bereits abmontiert und mit einem Kran hinunter befördert. Insgesamt acht bis neun dieser Türmchen müssen erneuert werden.

"Sie sind für die Statik der Domkapellen besonders wichtig", erklärt Dombaumeister Jan Richarz. "Eine Fiale ist ein Aufsatz auf einem Strebepfeiler. Der Pfeiler sorgt dafür, dass alle Kräfte geleitet werden. Das Dach der Kapelle drückt den Pfeiler zur Seite, und die kleinen Fialen - sie wiegen immerhin 300 Kilo - stehen oben drauf und drücken alles nach unten, so dass die Kräfte gebündelt nach unten geleitet werden und das Gebäude stabil steht. Wenn wir die Fialen wegnehmen würden, bestünde die Gefahr, dass sich auch in den Kapellen Risse bilden und große Schäden entstehen."

Eine Restaurierung der Fialen ist aus statischen Gründen nicht möglich. So müssen sie komplett neu gemacht werden. Sandstein aus der Pfalz ist das Ausgangsmaterial. Für das Projekt konnte die Dombauhütte junge Steinmetze gewinnen. Der 20-jährige Erik Hahn aus der Eifel hat erst vor zwei Wochen seine Ausbildung beendet: "Die Chance, so etwas zu machen, das ist Wahnsinn. Das was hier gemacht wird, das lernt man sonst nirgendwo. Das steht nicht mal in Fachbüchern."

Steinmetze bei der Arbeit
Bild: Michaela Brück/BRF
Steinmetze bei der Arbeit
Bild: Michaela Brück/BRF
Gerüste am Aachener Dom
Bild: Michaela Brück/BRF
Gerüste am Aachener Dom
Bild: Michaela Brück/BRF
Gerüste am Aachener Dom
Bild: Michaela Brück/BRF
Dombaumeister Jan Richarz
Bild: Michaela Brück/BRF
Fialen auf Strebepfeiler am Aachener Dom
Bild: Michaela Brück/BRF
Junge Dombauhütte am Aachener Dom
Bild: Michaela Brück/BRF
Steinmetze bei der Arbeit
Bild: Michaela Brück/BRF

Geduld und Durchhaltevermögen brauchen die jungen Leute für diese handwerkliche Arbeit an den Fialen. Und man müsse sich auch was trauen, findet Alice Eichhorn. Die Steinmetz-Gesellin aus dem Salzburger Land ist überzeugt, dass sie in Aachen wertvolle Erfahrungen sammeln kann. "Das ist ja doch ein Gebäude, das schon so viele Jahrhunderte im Bau ist, und ein ganz kleines bisschen dabei zu sein, das hat mich schon sehr gereizt. Das Bauhüttenwesen an Kathedralen finde ich generell sehr spannend. Es gibt Techniken, die mittlerweile langsam verloren gehen, und ich möchte meinen Wissensschatz erweitern. Ich habe das Gefühl, dass ich hier in Aachen sehr gut aufgehoben bin.

Passanten schauen den Steinmetzen gerne beim Handwerk zu und zeigen Interesse. Die Zuschauer sind erwünscht. Die Dombauhütte geht ganz bewusst mit ihrer Arbeit an die Öffentlichkeit. Dem Dombaumeister geht es um Sichtbarkeit. "Es geht um Ausbildung von jungen Menschen. Wir brauchen Steinmetze, die in der Lage sind, solche Objekte herzustellen. Vor allem möchte ich den Menschen auch vermitteln, was wir tun."

Noch bis Mitte September kann man den Steinmetzen bei ihrer Arbeit auf dem Katschhof zusehen. Dann sollen die neuen Fialen für die beiden Kapellen fertig sein und auf dem Dom thronen. Erik Hahn und seine jungen Kollegen dürfen stolz darauf sein. "Allein die Chance mitzuwirken, nicht nur etwas zu lernen, und in späteren Jahren, wenn man Familie gegründet hat, sagen zu können, das Stück da oben, daran habe ich mitgewirkt. Das ist schon ein besonderes Gefühl.

Michaela Brück

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