Schweyenhansnekkele, Mechels, Pifesch oder Vrejmes lauten einige der alten Häusernamen in Büllingen. Setzte man sie vor den Vornamen einer Person, wusste früher jeder, wer gemeint war. Diese Häusernamen festzuhalten und zu dokumentieren, war das ehrgeizige Projekt, das Willy Jost und Manfred Lauter vor zehn Jahren starteten.
Die Idee dazu entstand bei der Arbeit zu den Büllinger Straßennamen und Schautafeln. Tausende Fotos haben sie im Laufe der Jahre zusammengetragen, sie haben Zeitzeugen befragt und viele Dokumente durchforstet. Eine wichtige Quelle für die beiden Autoren war das Feuerstättenverzeichnis von 1552, ein Amtsregister der Steuerpflichtigen. "Da erwähnt man schon ein Miesjen, daher der Name Mieße, einen Paulus, daraus wird Pauels, oder Weberjan, jetzt Wövverjan. Die Namen sind bis heute erhalten", erklärt Willy Jost. Manfred Lauter bedauert, dass die meisten jungen Leute die Namen der alten Häuser nicht mehr kennen.
Damit die Hausnamen nicht verloren gehen, haben Willy Jost und Manfred Lauter sie auf 600 Seiten dokumentiert - mit den entsprechenden Fotos der Häuser, ihrer Bewohner und Geschichten.
Familiennamen wie heute kannte man in früheren Jahrhunderten in den Dörfern nicht. Stattdessen waren die Menschen nur unter ihrem Hausnamen bekannt, der dem Vornamen vorangestellt wurde. Meist wurde der Hausname von einer Berufsbezeichnung, einer Eigenschaft oder einem Vornamen abgeleitet.
Manchmal wurden auch Familiennamen zu Hausnamen wie der Name "Drosson", der in Büllingen zum Hausnamen geworden ist. Dessen italienische Herkunft ist eine besondere Geschichte, die Manfred Lauter gerne erzählt. "Die kamen ursprünglich aus Italien, aus der Lombardei. Sie hießen Truzzoni. Zum Beispiel der Hotelier und Wirt Horst Drosson aus Wirtzfeld, der war auch ein Truzzoni. Wir haben Drosson in Büllingen, Wirtzfeld und Rocherath."
Sie alle sind Nachfahren italienischer Migranten, die um 1650 zunächst in Chur in der Schweiz als Steinmetze arbeiteten. Einer der drei Brüder ging nach Marokko, die anderen beiden kamen in die Eifeldörfer Berg und Nidrum, berichtet Willy Jost. "Um hier die Eifeler Häuser richtig festzumachen, haben sie hier mit Steinen gebaut. Der Mörtel war früher aus Dung, Sand und Stroh, und das hielt dann manchmal nicht, wenn zum Beispiel ein Gewitter kam. Die Italiener kannten sich darin gut aus, Häuser zu bauen."
Die Tradition, Häusern Namen zu geben und ihre Bewohner danach zu benennen, ebbte nach dem Zweiten Weltkrieg ab. Immer mehr wurde der traditionelle Hausname vom offiziellen Familiennamen verdrängt. Das 600 Seiten starke Buch bewahrt die alten Namen - ein Nachschlagewerk auch für spätere Generationen, ist Manfred Lauter überzeugt. "In Büllingen ist das wie überall, wenn die wilden Jahre vorbei sind, wenn man geheiratet hat und Kinder hat, dann interessiert man sich für die Vorfahren. Aber dann ist es meistens zu spät, weil die Eltern tot sind. Und so interessieren sich jetzt viele Leute für unser Buch, die jungen Leute nicht. Aber es kommt der Tag, wo sie sich interessieren werden."
Einblicke in das Buch "Die Büllinger Hausnamen" gibt eine Ausstellung im Gemeindehaus. Sie zeigt Fotos und Dokumente von den ältesten Häusern der Ortschaft, der Zerstörung in den beiden Weltkriegen, aber auch vom Wiederaufbau und der wiedergefundenen Lebensfreude. Die Schautafeln sind noch bis Ende Juli während der Öffnungszeiten des Gemeindehauses dort zu sehen.
Michaela Brück








