Ein luxuriöses Hotel gab es an dem Standort schon seit dem 17. Jahrhundert. Das aktuelle Gebäude aus dem Jahr 1905 ist mit seinen wunderschönen Jugendstilfassaden ein architektonisches Juwel. Fassaden und die vom Schloss von Versailles inspirierte Eingangshalle stehen unter Denkmalschutz, genauso wie die Marmortreppe mit dem schmiedeeisernen Geländer. Im Restaurant - bis vor kurzem noch der Speisesaal des Internats - kam früher die Highsociety zusammen, Bankette und rauschende Feste inklusive.
Aber nicht nur für die Entwicklung der Bäderstadt war das Hotel von Bedeutung, sondern für die Geschichte Europas. Zum Beispiel im Ersten Weltkrieg.
Ab 1918 wurde das Hotel Sitz des deutschen kaiserlichen Hauptquartiers. Im Keller befindet sich der Schutzraum des Kaisers Wilhelm II. Nach hitzigen Diskussionen mit seinen Beratern Ludendorff und Hindenburg stimmte Kaiser hier im Hotel dann schließlich einem Waffenstillstand zu, der dann am 11. November 1918 in Compiègne in Frankreich in einem Eisenbahnwaggon unterzeichnet wurde", erklärt Pol Jehin, Präsident der Asbl Spa Patrimoine.
Aber auch zwei Jahre später spielte Spa eine wichtige historische Rolle in der Geschichte Europas. Die Verhandlungen über die Reparationszahlungen des Deutschen Reichs fanden in der Villa La Fraineuse statt, zwei Kilometer außerhalb von Spa. Im Hotel Britannique residierte in der Zeit die britische Delegation. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Hotel erneut von den deutschen Truppen beschlagnahmt. Am Ende wurde es dann zum Hauptquartier der US-Armee.
Aber auch andere historische Ereignisse fanden hier statt. Eine kleine Plakette an der Fassade erinnert an die Versöhnung zwischen Belgien und den Niederlanden. Mehr als ein halbes Jahrhundert nach der Unabhängigkeit Belgiens trafen sich hier König Wilhelm II. der Niederlande und König Leopold II.
Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich der Tourismus. Das Grand Hotel Britannique wurde 1957 zum Internat. Zukunft offen. Dass die Stadt das Gebäude kaufen will, stimmt Pol Jehin hoffnungsvoll. "Das ist eine gute Sache. Wir haben die Erfahrung mit den alten Thermen gemacht, die jahrelang leer standen. Andere private Gebäude wie das Golf Hotel wurden abgerissen. Der Kauf ist das Eine. Die Stadt muss sich dann aber auch beeilen. Es sei denn, es gebe einen privaten Investor. Wenn das Hotel zu sehr verfällt, dann steigen die Renovierungskosten ins Unermessliche."
Volker Krings











