Was für ein Palast. Direkt rechts neben dem Casino erstrahlt das ehemalige Kurhaus von Spa in neuem Glanz. 1868 als eine der modernsten Badeanstalten Europas eröffnet, lag das Gebäude seit 2003 brach. Bäume wuchsen in die Salons, Ungeziefer und Schimmel machten sich breit.
Doch dann, die Rettung. Der belgische Investor Johan Van Wassenhove kauft den Palast 2008. Der Ostbelgier Andreas Cremer ist der strategische Berater des Genter Bauunternehmers, dem Chef der Gruppe Denys: "Er hat mir erzählt, dass es ihm in der Seele weh getan hat, wie man eigentlich so diesen Abschwung in Spa miterlebt hat in Spa", erzählt Andreas Cremer von den Anfängen. "Spa war das Café de l'Europe. Da wo man sich getroffen hat, wo Könige und Kaiser gebadet haben. Es war ein reiches gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben und wahrscheinlich auch aus politischer Sicht sehr einflussreich". Die Vision von Johan Van Wassenhove sei einfach, diesen Geist wieder aufleben zu lassen.
Wieviel Geld in den ehemaligen Badeanstalt geflossen ist, bleibt ein Geheimnis. In nur sechs Jahren Bauzeit wurde das historische Gebäude saniert. Gleichzeitig ist ein Hotelneubau mit modernstem Luxus entstanden. Insgesamt gibt es nun 97 Zimmer mitsamt 1.300 Quadratmetern Wellness-Bereich. Andreas Cremer steht im heutigen Restaurant, der damaligen Empfangshalle. Über die großzügigen Freitreppen traten hier die Badegäste ein. Empfangen wurden sie von prachtvollen Neo-Rokoko-Fresken: "Es ist beeindruckend", staunt selbst Andreas Cremer noch immer. "Mehr als ein Jahr lang haben insgesamt zehn Künstler hier oben gearbeitet. Es gab ein riesiges Gerüst hier in der Halle. Die Künstler haben teilweise auf dem Bauch gelegen mit Pinseln, an denen nur zwei bis drei Härchen dran waren und in so genannter Sfumato-Technik alles wieder hergestellt". Bis zu sieben Schichten Farbe hätten entfernt werden müssen. Anschließend wurde alles originalgetreu wieder nachgestellt.
Das Thema Wasser ist allgegenwärtig. Verspielt und in Pastellfarben gibt es Nymphen und üppige Blumenornamente. Leicht und heiter, als Hommage an den Lebensstil der Belle Epoque.
Und natürlich kann der Gast auch heute noch baden. Und zwar in den Original-Kupferbadewannen von 1868. Andreas Cremer erklärt: "Es gibt Kupferbadewannen mit sehr eisenhaltigem Wasser hier in Spa. Das schafft eine chemische Reaktion. Nämlich Eisen-Ionen werden aus dem Wasser gelöst und die helfen dabei die Haut weich zu machen. Das ist der Wellness-Aspekt. Aber sie helfen vor allem dabei Hautkrankheiten zu heilen und die Haut wieder herzustellen".
Damit nicht genug. Spa ist nicht nur Thermalstadt, sondern auch Mekka für Motorsportbegeisterte. Autofans finden in der Tiefgarage einen exklusiven Ort für ihre Schätze: Den "Paddock". "Es war ein bisschen meine Empfehlung an den Hoteleigner. Als wir hier den Parkplatz reingebaut haben, habe ich gesagt, "mach doch so etwas wie ein Wohnzimmer in dem Autofreaks ihr Fahrzeug ausstellen können und wo man in lockerer Runde etwas trinken und essen kann und dieses Kunstwerk hier bewundern kann", sagt Andreas Cremer.
Nicht nur Hotelgäste können den "Paddock" frei buchen. "Wir sind ein Begegnungsort. Das ist das phantastische Verbindungsstück zwischen dem Hotel, dem Gastronomiebereich aber eben auch der Rennstrecke".
Und so glaubt man hier fest an eine Wiederbelebung von Spa als "Café de l’Europe". Als ein Ort, an dem sich Gesellschaft, Wirtschaft und Politik begegnen. Ein Ort, an dem Luxus wie selbstverständlich dazugehört. Dass das nicht Vision bleiben muss, zeigen die Gästezahlen bei Veranstaltungen wie den Francofolies oder dem Formel-1-Grand-Prix. Dann ist das Hotel Les Bains ausgebucht.
Simonne Doepgen

























