Auf den zweiten Blick gar nicht so unlogisch: Eine Veranstaltung abzusagen ist eigentlich Krisenkommunikation. Daher lassen sich die Regeln zum Katastrophenschutz auch hier anwenden: Wenn Extremwetterereignisse anstehen, können verschiedene Entscheidungsebenen Verbote aussprechen, um die Bevölkerung zu schützen. Dazu gehört auch, Veranstaltungen abzusagen oder einzuschränken.
"Festgelegte Schwellenwerte gibt es für solche Situationen nicht. Das Nationale Krisenzentrum hat die Bürger aber sensibilisiert. Da wird in Kaskade gearbeitet und das geht vom Bürgermeister über den Provinzgouverneur hin zur föderalen Ebene. Aktuell gilt wegen der Hitze zum Beispiel in allen 84 Gemeinden der Provinz Lüttich ein Verbot für gewisse Aktivitäten mit Feuer", erklärt René Schoonbrood, der stellvertretende Leiter der Hilfeleistungszone DG.
Für die meisten Fälle gilt: Die Entscheidungskaskade geht von der lokalen hin zur föderalen Ebene, je nach Ausmaß der Krise. In besonders schweren Fällen kann die föderale Ebene aber auch direkt einen nationalen Noteinsatzplan ausrufen. Für die Hitzewelle vergangene Woche hatte sich die Föderalregierung gegen einen solchen nationalen Noteinsatzplan entschieden. Die Verantwortung ging also an die Ebenen darunter.
In jedem Fall gilt: Egal wer entscheidet, muss es nicht allein tun. So gibt die Feuerwehr vor jeder Veranstaltung in einer Gemeinde ein Gutachten zum Katastrophenschutz ab. "Wir haben die Expertise und treten dann auch als technische Beratung auf. Wir beraten den Bürgermeister und geben unsere Stellungnahme mit den nötigen Sicherheitsvorkehrungen ab, damit die Veranstaltung unter den bestmöglichen Sicherheitsvorkehrungen stattfinden kann."
Seit der Flutkatastrophe 2021 hat sich der Katastrophenschutz weiterentwickelt. So gibt es jetzt auf Provinzebene sogenannte Celex-Gruppen unter Aufsicht des Wallonischen Krisenzentrums. Je nach Art der Wetterwarnung werden die sogenannten Celex-Gruppen mit verschiedenen Experten besetzt, aber jedes Mal sind Vertreter der Hilfeleistungszonen dabei. Trotzdem ist die Entscheidung, Veranstaltungen abzusagen, niemals einfach.
"Natürlich kann man eine Veranstaltung absagen, aber das bedeutet auch jedes Mal organisatorische und finanzielle Implikationen für Veranstalter und Besucher. Das Wetter ist schwer vorhersehbar. Es gibt Prognosen, aber die sind meistens nicht eindeutig. Bei den Celex-Gruppen nutzen wir zwischen drei und zehn Modellen und es ist schwer, da die richtige Lösung zu finden. Meistens weiß man erst im Nachhinein, welches das richtige war."
So steht hinter jeder Entscheidung für oder gegen eine Veranstaltung ein fragiles Gleichgewicht aus der nötigen Vorsicht und der ebenso nötigen Weitsicht, was die Konsequenzen für Veranstalter und Besucher angeht. Klar ist, dass Extremwetterereignisse häufiger werden und damit auch der Druck auf die Entscheidungsträger und ihre Berater wächst.
Anne Kelleter