Die Hitze hatte den Zeitplan bereits verändert. Statt am Samstagnachmittag wurde die Eröffnungsrunde erst um 19 Uhr gestartet. Trotz der hohen Temperaturen herrschte gute Stimmung. "Eigentlich ist alles perfekt verlaufen. Ganz tolle Teams, eine wunderschöne emotionale Kerzenzeremonie. Es war zwar warm, aber mit dem Wind ließ sich das gut aushalten. Die Leute haben sich auch sehr diszipliniert auf der Strecke verhalten", erklärt die Präsidentin des Organisationskomitees vom Lauf für das Leben Ostbelgien, Jacqueline Jost.
Doch gegen halb zwei in der Nacht änderte sich die Lage schlagartig. Der Wind legte sich zunächst komplett - und wenige Minuten später traf eine heftige Sturmböe das Gelände. "Es war wirklich nur eine Sache von ein paar Minuten. Manche sprechen von einer Windhose. Es hat nicht geblitzt, nicht gedonnert und auch nicht geregnet. Plötzlich kam dieser starke Sturm. Den Leuten wurde der Sand in die Augen geweht, sie konnten kaum noch sehen. Mit so einem Sturm hat wirklich niemand gerechnet."
Die Einsatzkräfte reagierten schnell. Polizei und Feuerwehr sperrten das Gelände, schalteten den Strom ab und überprüften mögliche Gefahrenquellen. Die Teilnehmer wurden zunächst in die Sporthalle gebracht und später nach Hause geschickt. Trotz umgestürzter Pavillons und großer Sachschäden gab es nur zwei Leichtverletzte.
Gegen kurz vor halb neun am Morgen wurde das Gelände wieder geöffnet. "Als wir gesehen haben, dass es nur Materialschaden ist, haben wir gesagt: Davon lassen wir uns nicht unterkriegen. Hunderte waren heute Morgen direkt wieder hier. Jeder packte mit an, überall griffen die Hände ineinander. Wir bekamen so viele Unterstützungsnachrichten - das ist wirklich schön zu sehen."
Der "Lauf für das Leben" endete zwar früher als geplant - aber ohne schwere Verletzungen. Und genau das, sagt das Organisationsteam, sei am Ende das Wichtigste.
Dogan Malicki