Ausgegangen war die Anfrage zu einer kollektiven Kläranlage für die Dörfer Oudler und Grüfflingen von der Gemeinde Burg-Reuland. Im Frühjahr 2013 genehmigte der Gemeinderat ein Vorprojekt, der Abwasserzweckverband AIDE fand dafür auch einen aus seiner Sicht geeigneten Standort - sehr früh regte sich aber Widerstand unter den potenziellen Anliegern. Sie schlugen einen anderen Standort vor, einige hundert Meter weiter an der Regionalstraße nach Burg-Reuland, weit weg von jeder Bebauung. Seitdem war es weitgehend ruhig, mal abgesehen von einer chaotisch verlaufenen Versammlung im Jahr 2017.
Zahlreiche Bedenken der Bürger
Nun wollte die AIDE den Bürgern das Projekt zusammen mit der Gemeinde vorstellen - hatte aber, wie sich zeigte, wohl die Rechnung ohne den Wirt gemacht: In einer Vielzahl von Wortbeiträgen gaben die Bürger ihren Befürchtungen Ausdruck, angefangen bei einer möglichen Geruchs- und Lärmbelästigung bis zur besonderen Lage in einem Talkessel - wobei es sich nach Angaben der Projektträger um eine moderne Anlage handele, die weitgehend unterirdisch verbaut wird.
Burg-Reulands Bürgermeister Alain Stellmann hielt fest: "Es wurden auch Bedenken angeführt, ob durch diesen Standort der Kläranlage, der dann fast im Zentrum des Ortes liegt, mit einer Preis- oder einer Wertminderung der Häuser zu rechnen wäre. Und wenn ja, wer zahlt dafür einen Ausgleich?"
Die Gemeinde sieht sich vor diesem Hintergrund auch als Vermittler zwischen den Bürgern einerseits und dem Projektträger andererseits: "Die Bedenken und die Ängste der betroffenen Bürger aus der Ortschaft Oudler sind wirklich nachvollziehbar", sagt Alain Stellmann. "Und diese Ängste haben wir auch an die AIDE weitergeleitet mit der Bitte, das zu überprüfen ..."
Gemeint ist der alternative Standort. Der war aber früh von der Forstverwaltung verworfen worden. Und auch sonst sprächen objektive Kriterien für den von der AIDE gewählten Standort, insbesondere dass er außerhalb eines möglichen Überschwemmungsgebietes liege.
Gemeinde unternimmt neuen Versuch
Die Gemeinde will nun ihrerseits erneut mit der Forstverwaltung sprechen und gegebenenfalls Ausgleichsflächen vorschlagen. Und sie hofft, dass die AIDE in diesem Fall bereit sein könnte, den Standort doch noch zu wechseln. Wenn auch bei der Informationsversammlung in Oudler mehrfach bestätigt wurde, dass angesichts des Planungsfortschritts die Entscheidung aus den genannten Gründen wohl schon gefallen ist.
Als nächstes käme dann der Genehmigungsantrag, bei dem im Rahmen der öffentlichen Untersuchung begründete Bedenken eingereicht werden können. Es könnte aber auch sein, dass die AIDE von dem Projekt Abstand nimmt und woanders investiert.
Dabei sind die Bürger aus Oudler nach eigenem Bekunden für eine Kläranlage, nur nicht am vorgesehenen Standort. Der als ihr Sprecher angedeutete und während der Versammlung auch so aufgetretene Jean Van den Bossche stand uns trotz mehrfacher Anfrage nicht für eine Stellungnahme zur Verfügung.
Stephan Pesch