Der Strombedarf der Bevölkerung steigt - und die Anforderungen an das Netz haben sich verändert. Photovoltaikanlagen, Ladestationen für Elektrofahrzeuge oder Wärmepumpen: All das macht laut der Interkommunalen Ores eine Modernisierung des Stromnetzes notwendig. Das soll unter anderem Netzschwankungen verhindern. Dafür sind im Zeitraum 2025 bis 2029 Investitionen von insgesamt 2,1 Milliarden Euro vorgesehen, teilt Ores mit.
Auch in der Gemeinde Raeren führt Ores Arbeiten durch, um das Stromnetz zu modernisieren, etwa durch den Bau weiterer Transformatorenstationen in Form kleiner Häuschen oder mit Kästen - unmittelbar angebracht an Strommasten.
"Wir können jetzt allerdings als Gemeinde nicht beziffern, wie viele der Gerätschaften notwendig sind. Ores detektiert solche Stromschwankungen mittels der intelligenten Zähler in den verschiedenen Vierteln. Wir können jetzt nicht absehen, wie viele notwendig sind, um Raeren jetzt und für die Zukunft zu stabilisieren", sagt Raerens Bürgermeister Mario Pitz. "Würde diese Netzstabilisierung nicht gemacht werden, hätte der Betreffende natürlich einen Regressanspruch an den Stromversorger."
Ores verweist in einem Fall der Installation eines solchen Transformators im Bereich der Raerener Waldstraße darauf, dass Kunden von Überspannung berichtet hätten. Deshalb sei die Maßnahme an diesem Standort besonders wichtig. Eine Genehmigung der Gemeinde braucht Ores für solche Arbeiten nicht, erklärt Pitz. "Die Genehmigungspflicht beginnt urbanistisch, wenn es sich um ein Trafohäuschen am Boden handelt. Das ist dann ja schon eine größere Geschichte mit etwas Umfeld", sagt er.
"Es wird im Prinzip eigentlich nur die Baustelle angemeldet, dass es Verkehrsstörungen und im schlimmsten Fall Umleitungen geben könnte. Das wird mit der Gemeinde abgearbeitet", so Pitz. "Wir hatten allerdings in der Gemeinde in letzter Zeit auch nicht so sehr viele Anfragen."
Der Themenbereich Strom und mögliche Auswirkungen auf den Alltag kam auch jüngst bei einer Informationsveranstaltung mit Beteiligung von Ores, der Gemeinde Raeren und interessierten Bürgern zur Sprache. "Wir haben da zum Beispiel gelernt in puncto Messwerten: Per Gesetz ist ein Grenzwert von 100 Mikrotesla erlaubt für elektrische Anlagen. Ores arbeitet im Falle dieser Trafos aber mit 0,4 Mikrotesla. Ich gehe mal davon aus, dass der Gesetzgeber wegen einer Unbedenklichkeit diese Anlagen freigestellt hat von Genehmigungspflichten", so Pitz.
"Man bringt ja unterirdisch 15.000 Volt ran. Die werden runtertransformiert auf die gebräuchlichen 230 und 400 Volt. Aber das muss man inmitten des Viertels tun", erklärt der Raerener Bürgermeister eine weitere Erkenntnis, die er aus der Informationsveranstaltung mitgenommen hat. "Es hat keinen Zweck, diese Transformierung außerhalb eines Viertels zu machen. Dann hat derjenige am anderen Ende des Viertels wahrscheinlich weiterhin seine Stromschwankungen, weil die Leitung dann einfach zu lang ist und mit zu wenig Volt betrieben wird."
Ores betont, dass die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden und man die Empfehlungen des Föderalen Öffentlichen Dienstes Volksgesundheit berücksichtige. Empfohlen werde, zwischen einem Transformator an einem Strommast und dauerhaften menschlichen Aufenthaltsorten einen Abstand von 5,50 Metern einzuhalten. Ores bringe diese Anlagen meist in acht Metern Höhe an, teilte die Interkommunale mit.

Bürgermeister Mario Pitz ist übrigens auch persönlich vom Thema Transformatorenstationen betroffen, denn eine solche befindet sich unweit seines Wohnortes. "Wir haben einen Trafo auf einem Mast gehabt. Der wurde vor einigen Jahren auf den Boden versetzt - in ein Häuschen rein. Ich mache mir jetzt persönlich keine Sorgen. Ich kann darauf schauen, ob ich in der Küche sitze oder im Schlafzimmer. Ich sehe das Trafohäuschen und lebe quasi 500 Meter von der deutschen Grenze weg. Und da musste auch ein Trafo noch mal zusätzlich gesetzt werden, der auch schon in der Walheimer Straße gesetzt worden ist, um da auch wirklich zu den Bauernhöfen, Betrieben und Haushalten mit stabiler Spannung hinzukommen."
Pitz spricht sich für eine praktikable Lösung aus. Man könne keine Viertel ausklammern und die Anwohner in energetischer Hinsicht ihrem Schicksal überlassen, sagt er.
Moritz Korff