Nach Angaben der Gewerkschaft gilt die Region Aachen mit Branchenriesen wie Lindt und Lambertz als die "Süßwaren-Hauptstadt" Deutschlands. Laut NGG arbeiten dort über 3.000 Menschen in und um Aachen im Schichtsystem in der Branche, oft an sieben Tagen die Woche.
Neben den Aachener Betrieben beteiligten sich auch Beschäftigte der Firmen Solent (Übach-Palenberg) und Otten (Erkelenz) am Streik, sowie aus den Großbäckereien wie Biscuit International (Eschweiler) oder Bon Gelati (Übach-Palenberg).
Kurios am Rande: Während Mitarbeiter von Chipsherstellern unter den Tarifvertrag der Süßwarenindustrie fallen, blieb die Belegschaft des Aachener Traditionsunternehmens Zentis dem Protest fern. Für den Konfitürenhersteller und dessen Marzipan produzierende Tochterfirma gilt der Tarifvertrag der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie.
Forderungen der Gewerkschaft
Die NGG fordert für die Beschäftigten 5,8 Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch 230 Euro mehr im Monat, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Das jüngste Angebot der Arbeitgeber - eine Erhöhung von 1,9 Prozent rückwirkend ab Mai 2026 und weitere 1,5 Prozent ab Mai 2027 bei einer Laufzeit von zwei Jahren - lehnt die Gewerkschaft strikt ab.
Laut Tim Lösch, NGG-Geschäftsführer für die Region Aachen, bedeutet das einen realen Kaufkraftverlust in Zeiten hoher Inflation. Auch das Angebot für die betriebliche Altersvorsorge von umgerechnet 15 Euro im Jahr sei angesichts eines der erfolgreichsten Geschäftsjahre der Branche nicht fair, sagt Lösch. Die Betriebe stünden wirtschaftlich glänzend da, weshalb die Beschäftigten nun ihren gerechten Anteil fordern.
Arbeitgeber warnen vor Standortrisiken
Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) sieht die Lage anders. Die Arbeitgeber begründen ihr Angebot mit einer schwierigen wirtschaftlichen Situation. Die Hersteller stünden durch gestiegene Energie- und Logistikkosten, unsichere Lieferketten sowie geopolitische Risiken unter erheblichem Druck. Zudem würden hohe Steuern, Arbeitskosten und Bürokratie die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Betriebe schwächen.
Wie es jetzt weitergeht
Der Streik in Aachen markiert den Auftakt einer möglichen Verschärfung des Tarifkonflikts. Bis zum nächsten Verhandlungstermin am 30. Juni müssen Verbraucher jedoch keine leeren Regale im Supermarkt befürchten. Laut NGG sind vorerst nur punktuelle Warnstreiks geplant, um den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen. Sollte am 30. Juni jedoch kein besseres Angebot vorgelegt werden, schließt die Gewerkschaft eine Ausweitung der Maßnahmen für die Zukunft nicht aus.
Manuel Zimmermann