Das Ganze reicht ein paar Jahre zurück, mitten in die Corona-Zeit. Da sorgte das Geschäft mit Kryptowährung in Ostbelgien für Furore … und für einen großen Reinfall. Das GrenzEcho hatte das Mitte 2022 in einer Artikelserie aufgegriffen.
Genau genommen ging es um eine Schulungsplattform für Kryptowährung, bei der "Pakete" für unterschiedlich hohe Summen angeboten wurden (von 125 US-Dollar bis 30.000 US-Dollar). Zum "Üben" gab es eine Anzahl von sogenannten "Token". Wer neue Kunden überzeugte, erhielt eine Provision in Bitcoins, die aus den Einstiegsgeldern finanziert wurde.
Zur Belohnung eine Reise nach Dubai
Wer früh eingestiegen war und in der Rangordnung höher stand, profitierte von den Anwerbungen der Ebenen darunter - besonders gute Verkäufer wurden mit Reisen nach Dubai oder mit anderen Luxusgeschenken belohnt.
Von den acht Angeklagten war am Montag nur einer vor Gericht erschienen, von Polizisten begleitet, da er wegen anderer Straftaten in Haft sitzt. Er stand weiter oben in dem System, war wiederholt in Dubai und hat dort mit dem Gründer des Systems verkehrt - und er hat andere in Ostbelgien dazu gebracht, möglichst viele Neukunden zu werben mit der Aufsicht auf Provision, die den höher positionierten "Vermittlern", wie er es nannte in einem solchen "Multi-Level-Marketing"-Modell zustehen.
Er betonte, dass es nur um den Verkauf einer Schulungsplattform gegangen sei, um Lernvideos, bei denen die Nutzer lernen sollten, sich in der Kryptowelt zurechtzufinden.
Betroffene beklagen hohe Verluste
Die sogenannten "Token" waren dann im Herbst 2021 nichts mehr wert. Dabei hatten manche Ostbelgier mehrere Zehntausend Euro investiert. Für die Zivilparteien fanden ein paar Personen den Mut, Strafantrag zu stellen und vor Gericht auszusagen. Es gibt aber wohl viel mehr Betroffene, die sich dafür schämen, mitgemacht zu haben.
Vor Gericht war von den Opfern zu hören, dass sie mit der Aussicht auf eine gute Geldanlage gelockt worden seien. Von Schulungsplattform sei, wenn überhaupt, erst später die Rede gewesen - einige sagten, sie hätten den Vermittlern "blind vertraut".
Urteilsverkündung am 28. Juli
Für drei der Angeklagten, die der Staatsanwalt als "führende Kräfte" ausmachte und die mit großer Energie versucht hätten, Neukunden anzuziehen, um sich selbst über Provisionen zu bereichern, forderte er ein Jahr Gefängnis mit bedingtem Strafaufschub und Geldbußen.
Für die anderen Angeklagten forderte der Staatsanwalt je nach Beteiligung an diesem System geringere Geldstrafen. Von Seiten der Zivilparteien gab es hohe Schadensersatzansprüche.
Die Rechtsbeistände der Angeklagten plädierten auf Freispruch. Es fehle der Beweis für ein illegales Schneeballsystem und die Kunden hätten sehr wohl ein Produkt, nämlich die Schulungsplattform, erhalten. Außerdem gehe man hier, wie es einer der Anwälte formulierte, "kleinen Lichtern" nach, ohne die Spitze des Systems zu behelligen, die in Dubai angesiedelt ist.
Das Urteil wird am 28. Juli verkündet.
sp