Cindy Zimmer ist seit 16 Jahren Anstreicherin bei Scholl in Eupen. Die 36-Jährige lächelt zufrieden. Als sie sich als junges Mädchen für die Lehre entschieden habe, sei ihr Vater total begeistert gewesen. Die Mutter war eher schockiert. "Handwerk und Frau - das passt doch gar nicht", hat sie gesagt.
Dabei seien die ersten drei Jahre wirklich anstrengend gewesen. Und danach? "Ja, ich liebe das einfach. Es macht Spaß, es ist sehr vielfältig. Man sieht von allem, man ist überall. Es wird nie langweilig", strahlt die Kelmiserin. Heute ist Cindy fester Bestandteil der Firma. Unter 22 Mitarbeitern auf der Baustelle ist sie die einzige Frau.
Hin und wieder gebe es einen Kunden, der überrascht sei, dass da eine Frau auf die Baustelle komme. Doch dann seien sie "wirklich happy": "Sie sagen, es sei sehr filigran. Das kenne man von den Arbeitern gar nicht. Und im Nachhinein sind sie dann positiv überrascht", erzählt Cindy.
Geht es nach dem Branchenverband Embuild und der paritätischen Vereinigung Constructiv soll Cindy schon bald viele Kolleginnen bekommen. Aktuell liegt der Frauenanteil in der Baubranche bei einem Prozent. Mit der Kampagne "Built to build" möchte der Sektor ganz gezielt junge Mädchen und Frauen ansprechen.
Astrid Convents ist Präsidentin von Embuild Verviers-Ostbelgien. Sie selbst ist Bauunternehmerin und liebt ihren Beruf. "Es ist ein schöner Beruf. Ein abwechslungsreicher Beruf. Es ist ein sehr wertschätzender Beruf, weil man sieht, was man am Tag gemacht hat und das finde ich eine Erfüllung", fasst Astrid Convents zusammen.
Schirmherr der Kampagne "Built to build" ist DG-Minister Jérôme Franssen. Um mehr Mädchen für das Baufach zu begeistern, müsse schon früh angesetzt werden. Ein Baustein sei die Umsetzung des "Talentcenters".
"Und zwar vor dem Hintergrund, dass es ein Talentfeststellungsverfahren gibt. Das hört sich jetzt wuchtig an. Aber dahinter steckt im Grunde genommen nichts anderes, als zu gucken, was sind meine Kompetenzen, wo sind meine Interessen und welche Ausbildungswege gibt es, die auch hier in Ostbelgien verankert sind" sagt Jérôme Franssen. "Und genau da gehört das Handwerk prioritär mit dazu".
Seit Jahren laufen bereits Bemühungen, mehr Mädchen für handwerkliche Berufe zu begeistern. In der Holzabteilung des Robert-Schuman-Instituts in Eupen trägt das bereits Früchte. Zwölf Jugendliche zählt die Abteilung im vierten Jahr. Unter ihnen sind fünf Mädchen.
Das gab es noch nie, sagt RSI-Direktorin Myriam Wolkener. Auch der Bausektor entwickle sich weiter. "Und dieser Kraftaufwand, der diese männlich dominierten Berufe bestimmt, ist nicht mehr so nötig. Die Mädchen haben oft diese Feinmotorik stärker ausgeprägt und das ist doch in vielen Bereichen auch ein Vorteil."
Rojin und Orlane haben sich für die Studienrichtung Holztechnik entschieden. Rojin ist rundum zufrieden: "Es fühlt sich gar nicht wie Unterricht an. Ja, ich mag es, mit meinen Händen zu arbeiten. Das ist perfekt", sagt die 15-Jährige aus Eupen. "Wir arbeiten gerade an einer Tür. Das finde ich schon richtig geil", ergänzt die 16-jährige Orlane aus Welkenraedt.
Stolz halten die beiden den Sticker der Kampagne "Build to built" in die Kamera. Auf dem Sticker zu sehen: Eine Frau mit Baustellenhelm und Warnweste auf lila Hintergrund. Später wollen Rojin und Orlane auf jeden Fall als Schreinerinnen arbeiten.
Simonne Doepgen




