Kurz hinter der Siedlung "In den Siepen" im Eupener Ortsteil Nispert fließt der Haasbach, besser bekannt als Stadtbach, durch einen langen Betonkanal - eine echte Wasserautobahn. Jeder Tropfen fließt geradeaus Richtung Innenstadt. Das soll sich jetzt ändern. "Auf der Wiese hinter der PDS in Nispert werden natürliche Becken angelegt", erklärt die Eupener Umweltschöffin Caroline Völl. "So kann sich das Wasser breit machen und die Innenstadt wird geschützt."
Zusätzlich zu den Becken werden die beiden Bäche in diesem Bereich, der Haasbach und der Siepebach, auch aus ihren Betonkorsetts befreit. So fließt das Wasser langsamer und kann versickern. Eine naturnahe Bepflanzung soll das Konzept abrunden und Lebensraum für heimische Arten schaffen. Bis kurz vor den Werthplatz bekommt das Wasser mehr Raum.
Für die Arbeiten müssen einige Bäume am Hang zum Heidberg hin gefällt werden. Sie sollen ersetzt werden. Auch im Bereich Ostpark werden verschiedene Maßnahmen umgesetzt. Unter anderem sollen dort Schafe weiden. Auch ein Radweg soll angelegt werden.
Insgesamt kostet das Projekt rund eine Million Euro. Ende 2023 hat die Stadt dazu eine Subsidienzusage der Wallonischen Region erhalten.
Aber: Wenn die Stadt das Geld abrufen will, müssen die Arbeiten bis zum 1. September erledigt sein. Zunächst wurden die nötigen Parzellen angekauft, "weil nicht alles der Stadt gehörte", erklärt Völl. "Dann haben wir eine Studie machen lassen, um die besten Maßnahmen herauszufinden. Wir haben tatsächlich jetzt ein bisschen Zeitdruck, weil die Subsidienzusage bald abläuft, aber wir sind zuversichtlich, dass wir alles in der vorgegebenen Zeit schaffen', räumt Völl ein.
Das Projekt in Nispert ist nur eins von vielen Teilen im Puzzle Hochwasserschutz. "Man kann nie genug Hochwasserschutz haben. Wir müssen dem Wasser wieder mehr Raum bieten, nicht nur unten im Tal sondern auch in den höheren Lagen flussaufwärts, wie zum Beispiel in Kettenis. All diese Projekte sind noch nicht spruchreif, aber sie laufen im Hintergrund und wir versuchen, ganz gezielt Maßnahmen zu schaffen, die das Wasser verlangsamen."
Bei den katastrophalen Überschwemmungen 2021 trat auch der Haasbach über die Ufer und setzte Nispert und Teile der Oberstadt unter Wasser. Fünf Jahre danach kommt mit diesem Projekt Bewegung in den Hochwasserschutz der Ortsteile Nispert und Oberstadt.

Anne Kelleter


