Der Morgen im Golf & Country Club Henri-Chapelle beginnt ruhig. Ein leichter Wind zieht über die hügelige Anlage, Golfschläger klacken, irgendwo landet ein Ball sauber auf dem Grün. Für Lionel Bonni und seinen Vater Didier ist dieser Ort längst mehr als nur ein Golfplatz. Es ist ein zweites Zuhause.
Lionel ist 15 Jahre alt und steht bereits seit zehn Jahren auf dem Golfplatz. Angefangen hat alles wegen seines Vaters. "Mein Vater ist Profi. Er hat mir direkt von Anfang an einen Schläger in die Hand gegeben", erzählt Lionel. "Das hat mir direkt Spaß gemacht. Und ich habe viele Freunde im Golf gefunden."
Während andere Jugendliche ihre Freizeit auf Fußballplätzen oder in Jugendzentren verbringen, verbringt Lionel viele Stunden zwischen Driving Range, Fairway und Fitnessstudio. Fünfmal pro Woche trainiert er, dazu kommen Krafttraining und Turniere.
"Wenn es nach mir ginge, würde ich jeden Tag Golf spielen", sagt er lachend. "Ich habe nie einen Tag, an dem ich denke: Heute habe ich keine Lust auf Training."
Golf gilt oft noch als elitärer Sport. Lionel kennt die Vorurteile aus der Schule. "Das Klischee sagt immer, dass Golf ein Sport für Reiche ist", sagt er. "Aber meine Freunde waren schon mit mir golfen und haben gesehen, dass das heute nicht mehr so ist wie vor dreißig Jahren."
Sein Vater Didier Bonni weiß genau, wie sich diese Leidenschaft entwickelt. Der 50-Jährige spielt seit 35 Jahren Golf und besitzt Profistatus. Heute begleitet er nicht nur seinen Sohn auf dem Platz, sondern auch in dessen sportlicher Entwicklung. "Es ist super, wenn die Kinder die gleiche Passion entwickeln wie man selbst", erzählt Didier. "Und mittlerweile stehen auch die kleinen Schwestern mit am Ball."
Die gemeinsame Zeit auf dem Platz bedeutet ihm viel - auch wenn Vater und Sohn nicht ständig zusammen spielen. "Man muss als Vater aufpassen, dass man genug Abstand behält", sagt Didier. "Das gemeinsame Erlebnis sollte wichtiger sein als das Ergebnis."
Gerade diese Mischung macht Golf für ihn seit Jahrzehnten faszinierend. "Golf ist Technik, Mentalität und Physik zugleich", erklärt er. "Unter Druck, im Turnier oder sogar mit einer Kamera dabei, ist alles anders. Deshalb sage ich Kindern immer: Golf ist zuerst ein Spiel. Man soll Spaß daran haben."
Lionel hat nicht nur Spaß, sondern auch Talent. "Er hat die Voraussetzungen, richtig gut zu werden", sagt Didier. "Er konnte viel früher anfangen als ich damals."
Besonders schätzt die Familie die Atmosphäre in Henri-Chapelle. Die Anlage mit ihren zwei 18-Loch-Plätzen gilt als eine der bekanntesten Golfanlagen Belgiens. "Die Landschaft macht den Platz besonders", erklärt Didier. "Und hier kann man auch ohne Platzreife erste Erfahrungen sammeln. Das macht den Einstieg einfacher als in vielen anderen Clubs."
Für die Familie Bonni ist Golf weit mehr als Sport. Es ist gemeinsame Zeit, Wettbewerb, Leidenschaft - und manchmal auch ein kleiner Familienwettkampf. "Heute Nachmittag spielen wir Match Play", erzählt Didier grinsend. "Die beiden Jungs gegen den Alten. Dann schauen wir mal, wer gewinnt."
Lionel hat dabei längst eigene Ziele. Vielleicht möchte er später selbst Teaching Pro werden - so wie sein Vater.
Christophe Ramjoie