Der Stadtrat von St. Vith hat die Verteilung der jährlichen Funktionszuschüsse an die Vereine neu geordnet. Ziel war es, die Verwaltungsabläufe bei der Zuerkennung der Summen zu vereinfachen. Die Opposition konnte sich mit dieser Reform nicht anfreunden.
Der Großteil der insgesamt 110.000 Euro an Vereinszuschüssen kommt von der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Die Stadt St. Vith steuert ihrerseits 30.000 Euro bei. "Wir fungieren als Zahlstelle der DG und legen etwas drauf", fasste Bürgermeister Werner Henkes das Prinzip zusammen.
Vor der Beschlussfassung im Stadtrat hatte sich eine Kommission mit den Vorschlägen zur Neuordnung befasst und laut Finanzschöffe Alexander Wansart einen Konsens gefunden - was die Opposition im Nachhinein aber anders sah.
Vorrangiges Ziel sei gewesen, so Wansart, die Antrags- und Zuerkennungsprozedur zu vereinfachen - für die Vereine, aber vor allem auch für die Stadtverwaltung. So wurden für die jeweiligen Vereinskategorien Grundbeträge festgelegt, die je nach Mitgliederstruktur um zusätzliche Beträge für Kinder und Jugendliche (bis 18 Jahre) und für Erwachsene ergänzt werden.
Der eine oder andere Verein erhalte mehr als vorher, andere wiederum bekämen etwas weniger.
Herbert Grommes: "Falsches Signal" an Vereinswelt
Laut dem früheren Schöffen Roland Gilson gibt es aber gerade unter den Kulturvereinen "mehr Verlierer als Gewinner". Er hätte sich auch gewünscht, dass die Stadt die Sätze für die Jugendförderung noch höher veranschlagt hätte und dafür niedriger bei den erwachsenen Mitgliedern.
Er bedauerte auch, dass bei den Sportvereinen auf den Nachweis von Trainerscheinen und dieses Förderkriterium verzichtet werde. Gerade dieses Kriterium sei aber mit einem hohen Verwaltungsaufwand und einigen Nachfragen verbunden gewesen, erklärte Alexander Wansart. Die Vereine und vor allem die Stadtverwaltung würden den Wegfall dieses Kriteriums darum sehr begrüßen.
Herbert Grommes sprach von einem "falschen Signal" an die Vereinswelt. Vokalsensembles, Theatergruppen und vor allem die St. Vither Karnevalsgesellschaft bekämen weniger. Die neue Mehrheit habe die Erwartungen in Sachen Neuordnung der Vereinszuschüsse geschürt, darum habe er "etwas Bahnbrechenderes" erwartet: "Der Elefant gebar eine Maus", so Grommes. Auch sein Fraktionskollege Gilson fand: "Ein großer Wurf ist es nicht."
Alexander Wansart: "Maxime, es einfach zu halten"
Finanzschöffe Wansart unterstrich "die Maxime, es einfach zu halten. Wir sind auch nicht hier, um das Rad neu zu erfinden." Zahlenvergleiche könnten sich nur auf das Vorjahr beziehen, weil die neuen Zahlen noch gar nicht vorlägen. Die Vereinfachung mache es aber möglich, die Zuschüsse schon vor dem Sommer auszuzahlen statt erst im Herbst. Auch damit entspreche die Mehrheit einer Bitte aus der Vereinswelt.
Was den Karneval in St. Vith angehe, stehe die Stadt übrigens mit viel Unterstützung und mit eigenen Empfängen zur Seite, ergänzten Bürgermeister Werner Henkes und Schöffe Leo Kreins.
Mit einer Verdoppelung des Zuschusses darf das Rote Kreuz rechnen. Das begrüßte auch die Opposition. Sie schlug vor, die Zuschüsse für sieben andere Sozialorganisationen um jeweils 150 Euro zu erhöhen, was demnach 1.050 Euro zusätzlich im Haushalt ausmachen würde. Darauf ließ sich die Mehrheit nicht ein. Stellvertretend erklärte Dorothea Schwall-Peters, dass 150 Euro mehr oder weniger für die einzelnen Organisationen nicht viel ausmachten. Den Vorstoß der Opposition bezeichnete sie als "steril", "da kommt nicht viel bei rum."
Wenn nun die Opposition nach eigenen Worten "Akzente" setzen wolle in diesem Bereich, griff Manuel Jodocy die Argumenation auf, dann frage er sich, warum sie das nicht schon früher getan habe, als sie noch die Stadtratsmehrheit bildete.
Die Opposition scheiterte folglich mit ihrem Abänderungsvorschlag und enthielt sich daraufhin bei der Abstimmung über diesen Punkt. Bei den Kulturvereinen stimmte sie gegen die neue Regelung, bei den Sport- und Freizeitvereinigungen enthielt sich die Fraktion - bis auf Jürgen Schlabertz, der dagegen stimmte. Mit den Stimmen der Mehrheit wurden die neuen Funktionszuschüsse aber angenommen.
Stephan Pesch