Betreuungsmaßnahmen greifen immer dann, wenn volljährige Personen Unterstützung brauchen - sei es aus gesundheitlichen Gründen oder nach einem plötzlichen Einschnitt im Leben. Dabei geht es nicht nur um Finanzen, sondern auch um persönliche Entscheidungen im Alltag, erklärt Claudia Kohnen, Friedensrichterin des zweiten Kantons Eupen-St.Vith.
"Eine Betreuungsmaßnahme wird vom Friedensgericht angeordnet für Personen, die selber keine Entscheidungen mehr treffen können oder aber die Handlungen, die ihr Vermögen oder ihre personenbezogenen Angelegenheiten betreffen, nicht mehr durchführen können. Das Gericht beauftragt dann einen Betreuer, der entweder hilft oder die Person vertritt und Entscheidungen an ihrer Stelle trifft."
Wer sich darüber informieren will, hat es jetzt einfacher: Eine zentrale Internetseite stellt Inhalte nicht nur schriftlich bereit, sondern nun auch als Videos - und inzwischen auch auf Deutsch.
"Wir haben generell festgestellt, dass Leute nicht mehr so gerne Texte lesen und sich Sachen lieber erklären lassen. Es wurden nun Videos rund um Betreuungsmaßnahmen angefertigt. Die Videos sind auf französisch und wir haben die deutschen Untertitel geliefert."
Einschneidende Situationen entstehen häufiger, als man denkt. Ohne vorherige Vollmacht darf aber niemand automatisch für eine andere Person handeln.
"Das Gesetz sieht vor, dass wir vordergründig im familiären Kreis oder im Umfeld der Person suchen, ob jemand bereit ist, die Funktion des Betreuers zu übernehmen. Wenn niemand zur Verfügung steht, greifen wir auf professionelle Betreuer zurück - das sind aktuell in der Regel Anwälte."
In der DG betrifft das aktuell rund 500 Menschen. Umso wichtiger ist es, dass Informationen verständlich und zugänglich sind.
Die meisten Anträge kommen übrigens nicht von den Betroffenen selbst. Oft sind es Angehörige oder Sozialdienste, die merken, dass Hilfe nötig ist und den Prozess anstoßen.
Die Kombination aus Texten und Videos soll den Einstieg erleichtern - für ein Thema, das oft erst dann relevant wird, wenn schnelle Entscheidungen gefragt sind.
Dogan Malicki