Wo heute der Aachener Theaterplatz ist, gab es schon im frühen 13. Jahrhundert eine Klosteranlage. Das war den Archäologen bereits aus alten Schriftquellen bekannt. Bei den aktuellen archäologischen Ausgrabungen begleitend zur Neugestaltung des Platzes konnten sie diese Geschichte auch im Boden nachweisen: Neben den Bruchsteinmauern des Klosters aus dem 13. Jahrhundert entdeckten sie auch Spuren der Kapuziner, die ab dem 17. Jahrhundert am Theaterplatz lebten.
Im Bereich eines Klosterflügels stießen die Archäologen außerdem auf den ehemaligen Friedhof der Anlage. Die bisherigen Ergebnisse und einige Funde werden ab dem nächsten Mittwoch in der Ausstellung "Spuren der Geschichte: Historische Funde am Theaterplatz" gezeigt.
"Natürlich kann man in so einer kleinen Ausstellung nicht alles zeigen", sagt der Aachener Stadtarchäologe Andreas Schaub. "Die Fundstücke, die aufhebenswert sind, gehen in die tausende, wenn man die Einzelobjekte nimmt: Keramikscherben, Münzen, Metallobjekte, Glasfragmente und so weiter. Da wird eine kleine exemplarische Auswahl gezeigt, zum Beispiel eine steinerne Geschosskugel von einer der Belagerungen Aachens oder auch Keramikobjekte. Es gibt auch Hinweise auf die ganzen archäologischen Methoden, die angewendet wurden. Mit geophysikalischen Methoden hat man versucht, Dinge schon vor den Grabungen zu analysieren und diese Methoden werden erklärt."
Besonders wertvolle Gegenstände – wie ein gefundener Fingerring aus einem der Gräber – werden aus Sicherheitsgründen nicht im Original in der Ausstellung gezeigt. Stattdessen sollen sie parallel zu der Ausstellung an einem besser gesicherten Ort präsentiert werden.
Neben besonders wertvollen Funden wie dem Ring hat auch der Friedhof Eindruck bei dem Archäologen hinterlassen. "Die dichte Belegung des Friedhofs hat mich doch überrascht. Um es mal salopp auszudrücken: Man hatte teilweise den Eindruck, dass man ist in einem Wettbewerb ist, möglichst viele Personen pro Kubikmeter einzugraben. Es ist wirklich erstaunlich gewesen, wie dicht diese Belegung dort war."

Die Arbeiten zur Neugestaltung des Theaterplatzes dauern weiterhin an. Voraussichtlich werden die Archäologen also noch weitere Bereiche freilegen, etwa die Gartenanlage des Kapuzinerklosters, in der Gruben oder Brunnen vermutet werden. "Wir erwarten aber auch noch den sogenannten 'Paukanal', das ist ein künstlicher Kanal, der schon in der Römerzeit Wasser in die Altstadt geführt hat. Der wurde im Mittelalter weiter verwendet, im Prinzip bis in die frühe Neuzeit. Wenn unsere Karten richtig sind, dann läuft der Kanal tatsächlich noch über den Theaterplatz und in diese Straßenbereiche rein. Wir warten natürlich darauf, auch nochmal diesen alten Kanal zu erfassen."
Dass die freigelegten Bereiche nach Abschluss der Bauarbeiten durch Sichtfenster oder Ähnliches zugänglich bleiben, gilt als eher unwahrscheinlich. Stattdessen werden sie mit modernen 3D-Dokumentationsmethoden für die Nachwelt festgehalten. Die aufhebenswerten Fundstücke bleiben aber natürlich über der Erde.
Die Ausstellung "Spuren der Geschichte: Historische Funde am Theaterplatz" in der Aachener Planbar am Theaterplatz 7 wird am 29. April eröffnet und läuft bis zum 1. Juli. Die Öffnungszeiten sind dienstags bis samstags 15 bis 18 Uhr.
Lindsay Ahn