Im Vergleich zur Lage großer Kartoffelproduzenten im Rest von Belgien ist die Lage in der DG entspannter. Das liegt daran, dass die DG keine typische Gunstregion für den Kartoffelanbau ist, so Ingrid Mertes, Geschäftsführerin des Bauernbundes Ostbelgien. Die Landschaft in Ostbelgien eigne sich vor allem für die Haltung von Milchvieh und weniger für den Kartoffelanbau.
Da es in Ostbelgien keine großflächige industrielle Kartoffelproduktion gibt, sind die Betriebe hier auch weniger stark von der aktuellen Krise am Markt für Industriekartoffeln betroffen. Trotzdem macht sich auch in der Region der deutliche Überschuss an Kartoffeln bemerkbar.
"Nachdem bei der Ernte 2024 der Bedarf nur knapp gedeckt werden konnte, hatten wir beschlossen, im Jahr 2025, in der letzten Saison, die Anbaufläche etwas zu erhöhen. Aber dass der Ertrag sich in diesem Jahr nahezu verdoppeln würde, das konnte zu der Zeit noch keiner ahnen", erklärt der Landwirt Stefan Cornely aus Aldringen. Er baut Bio-Kartoffeln an und verkauft diese direkt an seinem Hof.
"Die verkaufte Menge, die wir ausschließlich am Hof verkaufen, ist zwar relativ konstant, aber wir merken schon, dass in einem solchen Jahr, wo auch private Anbauer einen hohen Ertrag haben, die Nachfrage etwas geringer ist."
Besonders hart trifft die Situation die Produzenten von Industriekartoffeln. Hier ist der Preis pro Tonne zuletzt auf null Euro gefallen - ein Zeichen für einen praktisch kollabierten Markt.
Hinzu kommt: Kartoffeln sind nur begrenzt haltbar. Ohne aufwendige Kühlung müssen sie schnell verwertet werden. In Flandern werden sie deshalb teilweise von den Landwirten verschenkt. Stefan Cornely verfüttert seinen Überschuss an seine Kühe und zieht so noch einen Nutzen aus den Kartoffeln - eine Option, die reine Kartoffelbetriebe oft nicht haben.
"Bei Landwirten, die nur Kartoffeln produzieren, ist das natürlich ein großes Problem. Denen fehlen praktisch auf einen Schlag die ganzen Einnahmen vom Jahr. Was auch global gesehen ein Problem ist, ist die Verteilung der Landwirte. Die ganzen produzierten Kartoffeln sind ja in den guten Ackergegenden und die Verarbeitungsmöglichkeiten wären jetzt eher hier in unserem Grünlandgebiet an die Kühe. Da gibt es dann aber das Problem, dass der Transport an sich eigentlich schon wieder teurer ist als die Ware."
Mit Blick auf die kommende Kartoffelernte geht Stefan Cornely davon aus, seine Anbaustrategie zunächst beizubehalten. Denn wie sich das nächste Kartoffeljahr entwickelt, lässt sich kaum vorhersagen.
Lindsay Ahn