In einer unscheinbaren Halle in Raeren liegt die Werkstatt von Joé Onderbeke. Über der Eingangstür hängt ein Schild "Waffenkammer". Drinnen riecht es nach Metall, Öl und ein bisschen nach Feuer. Gleich am Eingang fällt der selbstgebaute Ofen ins Auge. Links und rechts: Schmiedepresse, Schleifmaschine, Flex, Poliergerät, Amboss. Alles, was man braucht, um aus rohem Stahl ein Messer zu formen. Gelernt hat er eigentlich Metallbauer. Seine Leidenschaft für Messer entdeckte er aber erst später – während der Corona-Zeit.
"Mein Vater ist Jäger, das heißt, ich hatte schon immer eine gewisse Verbindung dazu – auch durch den Umgang damit zu Hause. Während Corona hatte ich relativ viel Zeit, habe mein Abitur nachgeholt und bin tatsächlich durch YouTube und andere Online-Inhalte darauf gestoßen. Da habe ich mir gesagt: Das sollte ich mal ausprobieren. Ich habe mir das Material besorgt, zumindest um grob anzufangen. Mittlerweile sind wir hier in einer Werkstatt, die eigentlich ganz gut ausgestattet ist und mit der man auch wirklich etwas anfangen kann."
Joé trägt ein schwarzes T-Shirt mit seinem Logo – ein Schwert, gekreuzt von zwei Messern. Wenn er den Ofen anheizt, bindet er sich ein rotes Tuch um den Kopf. Edelstahl, Carbonstahl oder aufwendig geschichteter Damaststahl – aus jedem Material entsteht Stück für Stück ein Unikat. An einem einfachen Messer sitzt er mindestens zehn Stunden. Doch je nach Technik und Detailgrad kann es deutlich länger dauern.
"An einem Damastmesser sitzt man auch mal gerne 30, 35 oder 40 Stunden – je nachdem, wie aufwendig es ist. Bei den Griffen kann man verschiedene Materialien verwenden: Holz, Knochen oder sogar Fossilien. Je nachdem, wie aufwendig das Material zu bearbeiten ist, dauert das natürlich entsprechend länger oder geht auch mal schneller."
Schleifen, härten, polieren – viele Arbeitsschritte wiederholen sich. Und genau darin liegt für Joé auch ein besonderer Reiz.
"Wenn ich hier die Chance habe, an meinen Messern zu arbeiten und ganz meine Ruhe habe – die Türen sind zu, die Musik ist an, die Maschinen laufen – dann ist das auch ein bisschen Therapie. Es ist zwar auch immer ein Stück Sisyphusarbeit dabei, aber insgesamt hat es etwas Therapeutisches. Man kann den Alltagsstress wirklich gut vergessen. Das Ganze läuft nebenberuflich, und es macht einfach unglaublich Spaß."
Und genau diese Mischung aus Präzision, Geduld und Leidenschaft macht aus jedem seiner Messer ein Unikat – ein echtes Stück Handarbeit aus Raeren.
Dogan Malicki


