Brevet "Krankenpflegeassistent" – so heißt der neue Abschluss, den man an der AHS ab dem kommenden Schuljahr machen kann. Dabei handelt es sich um eine Ausbildung mit einer Dauer von drei Jahren. Die Ausbildung löst damit das alte Brevet "für die allgemeine Pflege verantwortlicher Krankenpfleger" ab. Sie umfasst 180 ECTS-Punkte und rund 3.800 Stunden Arbeit – mit einem sehr großen Anteil an praktischem Unterricht, fast die Hälfte der drei Jahre.
Viel Aufwand für einen "Assistenzjob" – wobei man im Beruf am Ende deutlich mehr macht als nur assistieren, wie Michael Beythen, Fachbereichsleiter Gesundheit, Krankenpflege und Sozialwissenschaften, festhält. "Diese Assistentinnen und Assistenten übernehmen auch eigenverantwortliche Aufgaben - zum Beispiel in der Infusionstherapie, bei Blutabnahmen oder in der Wundversorgung. Das sind Bereiche, in denen andere Berufsprofile gezielt entlastet werden."
Mit den beiden anderen Berufsprofilen meint er zum einen die Pflegehelfer und zum anderen die "für die allgemeine Pflege verantwortlichen Krankenpfleger" mit Bachelorabschluss. "Wir bewegen uns hier zwischen unterschiedlichen Qualifikationsniveaus: Die Pflegehilfe liegt auf Niveau 4 des europäischen Qualifikationsrahmens, das Bachelorstudium auf Niveau 6. Diese neue Ausbildung bildet gewissermaßen eine Zwischenstufe."
Niveau 5 also. Dass man diese Anpassung jetzt gemacht hat, liegt an einer föderalen Reform der Pflegeberufe aus dem Jahr 2023. In der flämischen und der französischen Gemeinschaft hat man diese Neustrukturierung bereits umgesetzt – in der DG zieht man jetzt nach. Nachdem man Ende 2025 mit der Planung begonnen hat, steht jetzt alles bereit für den Schulstart im September.
Auch wenn die Abstimmung im Parlament der DG noch aussteht, zeigte sich der zuständige Minister für Ausbildung in der DG, Jérôme Franssen, optimistisch, dass die Anpassung angenommen wird – da dieser Schritt aus drei Gründen wichtig sei: "Erstens schließen wir an eine gesamtbelgische Entwicklungen an. Zweitens gestalten wir die mit dieser Ausbildung auch inhaltlich und strukturell komplett neu. Und wir nutzen drittens die Chance, den gesamten Bereich so neu zu gestalten und Schritte einzuführen, dass man seine Berufslaufbahn hier aufbauen kann. Das ist wichtig im Sinne der Durchlässigkeit."
Durchlässigkeit – das bedeutet im Bildungswesen, dass man flexibel zwischen Bildungsbereichen wechseln kann. Konkret hat das hier zwei Folgen: Zum einen soll es künftig möglich sein, dass man mit einem Gesellen- oder Meisterbrief nachträglich an der AHS das Brevet "Krankenpflegeassistenz" oder den Bachelor "für die allgemeine Pflege verantwortlicher Krankenpfleger" starten kann – ohne Abitur. Zum anderen bedeutet es aber auch, dass man innerhalb der Pflegebranche viel flexibler aufsteigen kann, da die unterschiedlichen Niveaus enger miteinander verzahnt sind.
"Viele steigen mit einem bestimmten Bild in die Pflege ein - klassische Grundpflege am Patientenbett. Doch im Laufe der Zeit wächst oft der Wunsch, mehr Verantwortung zu übernehmen. Und genau dafür schaffen wir jetzt die Möglichkeiten: Schritt für Schritt kann man sich weiterentwickeln – von der Pflegehilfe über die Assistenz bis hin zum Bachelorstudium und darüber hinaus, theoretisch sogar bis zum Doktorat", erklärt Beythen.
Konkret heißt das: In den kommenden Jahren soll es möglich sein, mit dem Diplom zum Pflegehelfer direkt im zweiten Jahr in das Brevet "Krankenpflegeassistenz" einzusteigen. Genauso kann man mit dem neuen Brevet "Krankenpflegeassistenz" im dritten Jahr in den Bachelor "für die allgemeine Pflege verantwortlicher Krankenpfleger" einsteigen und innerhalb von zwei Jahren den Abschluss machen. Andersherum erhalten Bachelorstudenten nach dem dritten Jahr das Diplom "Krankenpflegeassistent". Sie fallen also nicht – wie im aktuellen System – auf die Pflegehilfe zurück, wenn sie ihr viertes Studienjahr aus welchen Gründen auch immer nicht beginnen oder abschließen können.
Auch Krankenpfleger mit dem bisherigen Brevet "für die allgemeine Pflege verantwortlicher Krankenpfleger" sollen in Zukunft über ein Brückenstudium einen Bachelorabschluss machen können. Der genaue Zeitplan für diese Zusatzangebote ist allerdings eng mit dem ersten Ausbildungszyklus des neuen Brevets "Krankenpflegeassistenz" verbunden. Die Verantwortlichen hoffen deshalb, dass sich möglichst viele Interessierte für den Start im September anmelden.
Robin Emonts