Ostermontag geht es los für Ronja Schütz. Sie steigt aufs Rennrad und fährt los. Ziel der Reise ist die norwegische Hauptstadt Oslo, denn dort wohnt ihre Freundin Johanna aus Köln, die Ronja vor zwei Jahren auf dem Jakobsweg kennengelernt hat.
Den Jakobsweg ist Ronja damals mit ihrem Opa gegangen. Und auch diesmal ist er dabei - allerdings etwas komfortabler. Ronjas Großeltern Josef und Ilse begleiten sie mit dem Wohnmobil - das Hotel fährt also mit. "Ich schlafe auch im Wohnmobil", erzählt Ronja.
"Mein Opa fährt und meine Oma kocht. Abends treffen wir uns immer an einem bestimmten Punkt und dann essen wir da zusammen, spielen Spiele, klaafen miteinander und dann schlafen wir - und morgens geht es wieder früh weiter."
Ronja treibt viel Sport, fährt Radrennen und läuft Marathon. Um sich auf die Tour nach Oslo vorzubereiten, hat sie zusätzlich die Rücken- und Schultermuskulatur trainiert. "Ich bin oft ins Fitnessstudio gegangen und habe oben auf meiner Rolle trainiert. Ich bin auch regelmäßig spazieren gegangen, Laufen, Schwimmen - alles für die Ausdauer." Die Kondition passt also.
Auch die Strecke steht. 150 Kilometer pro Tag muss Ronja im Durchschnitt bewältigen, um die Distanz in zehn Tagen zu schaffen. Wenn sie sich gut fühlt, dürfen es auch mehr sein. Dann würde mehr Zeit für Freundin Johanna in Oslo bleiben.

Die Schülerin des Königlichen Athenäums St. Vith nutzt die Fahrt nach Norwegen auch für ihre Endarbeit. Ronja hat vor zwei Wochen alle Social-Media-Kanäle auf stumm gestellt. Sie will untersuchen, inwiefern sich Instagram und Co auf die Psyche auswirken - im Vergleich zu Aktivitäten an der frischen Luft.
Die Idee zur der Tour entstand, als Ronja während des Trainings eine Dokumentation über Kinder in aller Welt sah und beschloss, selbst aktiv zu werden, um Spenden zu sammeln."So viele Kinder können nicht das machen, was ich machen kann. Ich will helfen. Ich erlebe ein Abenteuer - und gleichzeitig kann ich etwas Gutes tun."
Mehr als 5.000 Euro sind bereits über die Spendenplattform Steunactie für das Projekt '1.500 Kilometer nach Oslo für krebskranke Kinder' zusammengekommen. Das Geld geht an die Kinderkrebs-Abteilung des Krankenhauses von Gent. Außerdem haben mehrere Unternehmen Geld beigesteuert, mit dem die Kosten abgedeckt werden.
Dass es Rückschläge geben könnte, ist Ronja klar. "Beim Jakobsweg habe ich Blasen an den Füßen gehabt und wollte erst aufgeben. Dann habe ich es aber durchgezogen - und war stolz auf mich, als ich in Santiago ankam."
"Ich möchte keinem anderen etwas beweisen, ich möchte mir selber etwas beweisen", sagt Ronja. "Und zwar: Egal wie jung man ist, man kann alles schaffen. Und dass auch wir jungen Menschen mehr an uns glauben sollten."
Katrin Margraff