Wie ein Fanal stehen die wenigen Mauerreste der St. Vither Pfarrkirche in den Trümmern. Im oberen Bildbereich fällt dagegen der Wiederaufbau ins Auge, mit dem strukturierten Muster der Neustadtbaracken. Auf einer anderen Aufnahme hebt sich der aus Trümmern zusammengetragene "Millionenberg" unterhalb des einsam dastehenden Büchelturms ab. Solche Luftaufnahmen aus der Nachkriegszeit haben Manfred Klein und Robert Fuchs für St. Vith, aber auch eine ganze Reihe von anderen Orten in der belgischen und deutschen Eifel gefunden ... in US-amerikanischen Archiven.
"Dort konnten wir sehen, dass kurz nach Kriegsende in den Jahren 1947/1948 die Alliierten noch einmal die Gegend hier, Ostbelgien, auch westliche Eifel überflogen haben. Ziel war wohl damals die Rekonstruktion der Gefechtsverläufe aus der Ardennenoffensive, aber auch aus der Zeit Anfang 1945", erklärt Robert Fuchs.
Bei diesen Luftaufnahmen handelt es sich um sogenannte Schrägbildaufnahmen. Das heißt, sie wurden nicht senkrecht, sondern aus geringer Höhe in einem Winkel aufgenommen. So bieten sie eine anschauliche 3D-Perspektive von Gebäuden und Landschaft. Dazu kommt, dass die Bilder hochauflösend sind. "Das sind Aufnahmen mit dem Format 60 mal 30 Zentimeter. Man hat die Ortsansicht insgesamt, aber letzten Endes kann man in die Aufnahme reinzoomen, kann sich somit bei den Bildaufnahmen den kompletten Gebäudebestand anschauen, die Plätze, die Straßen. Alles, was zu dem Zeitpunkt vorhanden war, ist auf den Aufnahmen zu sehen."

Das ist umso wertvoller, als aus jener Nachkriegszeit, als die Menschen andere Sorgen und Nöte hatten, kaum Bild- und Filmmaterial vorhanden ist. Die Bilder sind aber nicht nur zum Anschauen da, sie sollen nach den Vorstellungen von Manfred Klein auch Erinnerungen wecken und die Betrachter dazu anregen, aus jener Zeit zu berichten. "Wir präsentieren sie interaktiv, das heißt, das Publikum kann selbst bestimmen und selbst uns mitteilen, welche Bereiche es aus den Orten näher betrachten möchte. Und schön wäre es dann auch, wenn die alten Dorfgeschichten erzählt würden."
Wie gut das funktioniert, konnten Manfred Klein und Robert Fuchs auf ihren bisherigen Stationen in der deutschen Eifel erfahren. "Wir haben diese Präsentationsreihe schon in den Verbandsgemeinden Arzfeld und Prüm gezeigt. Und da sind wir sehr positiv überrascht worden, da sehr viele Besucher dieser Veranstaltung aus sich heraus kamen und diese alten Geschichten wiedergegeben haben", erzählt Manfred Klein.

Daraus entwickelt sich dann schnell ein abendfüllendes Programm - das im Übrigen nicht nur diejenigen fesselt, die jene Zeit selbst erlebt haben. "Wir hatten auf der letzten Veranstaltung Besucher, da war der älteste 99 Jahre und er hat halt aus dieser Zeit berichtet und der jüngste war 13 Jahre. So konnten wir Alt und Jung verbinden mit den Geschichten aus diesen Orten, aus dieser Zeit."
Am Karfreitag zeigen Manfred Klein und Robert Fuchs im Kino Scala in Büllingen Aufnahmen von Rocherath-Krinkelt, Manderfeld, Lanzerath, Krewinkel und eben Büllingen. Am 19. April folgt im St. Vither Kino Corso ein Abend mit Luftbildern von Wallerode, Schönberg, Steffeshausen und St. Vith. Der Eintritt ist frei. In Büllingen ist aber eine Online-Platzreservierung erwünscht.
Die beiden Autoren Manfred Klein und Robert Fuchs hatten schon mit der Dokumentation "Grenzland in Flammen" das Ende des Zweiten Weltkriegs näher beleuchtet.
Stephan Pesch
Für wirklich Original-DG-Menschen wie uns ein Bild der vielen schmerzhaften Erinnerungen aus dieser Zeit, die seit 1914 schon endlos auf beiden Seiten der Front wüten und wüten tat.
Was irreversibel mit dem Verlust unserer Nationalen Identität als hauptsächlich deutsch-sprachig, hauptsächlich luxemburgisch [Luxemburg bis 1845 teilautonomer Teilstaat vom Deutschem Staatenbund] im Zusammenhang steht.