Filme drehen ohne Kamera, Drehbücher per Mausklick - und Bilder aus dem Computer statt aus dem Studio. Künstliche Intelligenz verändert die Medienbranche. Auch hier in Ostbelgien.
KI im Arbeitsalltag
Bei "Mehl+Wasser" in der Eupener Unterstadt ist dieser Wandel längst angekommen. Die Agentur produziert Imagefilme, Produktvideos und Inhalte für soziale Medien. Geschäftsführer Max Scholl nutzt KI seit etwa zwei Jahren. Sie spart Zeit und vereinfacht Arbeitsschritte - etwa beim Schnitt, bei ersten Entwürfen oder in der Planung.
"Wir arbeiten mit Outlook. Das Programm sortiert schon E-Mails, zum Beispiel landen Werbemails in "Sonstige" und wichtige Kunden-E-Mails in "Relevant". Da fängt KI im Prinzip schon an. Im Projektmanagement erinnert uns KI an Fristen. KI ersetzt uns nicht, sie hilft uns im Alltag, Aufgaben schneller umzusetzen und mehr Zeit für das Kreative zu haben", sagt Max Scholl.
Denn die kreative Idee kommt weiterhin vom Menschen. Auch das Ausgangsmaterial - also echte Bilder und Aufnahmen - bleibt unverzichtbar. Und: Die KI arbeitet nur so gut wie die Anweisungen, die sie bekommt.
Neue Chancen - und neue Sorgen
"Wir hatten jetzt ein Fotoshooting für ein Restaurant in Osnabrück. 60 Gerichte wurden fotografiert. Wir waren zu vier Leuten vor Ort. Weil wir so viel zu tun hatten, wurden manche Sachen übersehen - zum Beispiel diese Jakobsmuschel, die nicht richtig angebraten worden ist. Gemerkt haben wir das erst hier in Eupen - und dann konnten wir durch KI daraus eine angebratene Jakobsmuschel machen."
Gleichzeitig verändert sich der Arbeitsmarkt. In der Agentur gehen fast täglich Bewerbungen von Sprechern ein - viele fürchten um ihre Jobs. Denn KI kann Stimmen inzwischen täuschend echt erzeugen.
"Ich zeige das mal kurz", sagt Max Scholl, klickt - und dann lesen eine Frauen- und eine Männerstimme den eingegebenen Satz vor, inklusive eingebautem Lachen.
Kreativität wird erschwinglicher
Auch für die Kunden bringt die Technik neue Möglichkeiten: Szenen, die früher unbezahlbar waren, werden günstiger - und damit auch für kleinere und mittlere Unternehmen realisierbar.
"Wir können Szenen ermöglichen, die früher undenkbar waren. Wir können nicht mal eben zu viert auf die Malediven fliegen, um dort ein Produkt neben einer Kokosnuss zu platzieren. Mit KI können wir das recht zügig umsetzen."
Wohin sich die künstliche Intelligenz entwickelt, lässt sich noch nicht vorhersagen. Sicher ist: Das ist erst der Anfang.
Gaby Zeimers