Annette Johnen ist als Kindergärtnerin jeden Tag ordentlich gefordert, zum Beispiel beim Kissenturnen mit einer echten Kleinkind-Rasselbande. Die 55-Jährige fühlt sich topfit. Doch das war nicht immer so. "Mit 40 habe ich mich teilweise auf einer Skala von null bis zehn oft so bei drei bis vier gefühlt. Je nachdem, wie schlecht ich geschlafen hatte. Und heute würde ich glatt sagen: Mein Wohlfühlfaktor liegt bei acht bis neun".
Die Schlafstörungen sind vorbei, seitdem sie mit einer Hormontherapie begonnen hat. Östrogel gehört dazu. "Morgens, nachdem ich geduscht habe, trage ich das Gel auf den Unterarm auf. Dann nehme ich ich noch Omega3, Vitamin D und die anderen Mikronährstoffe. Wie zum Beispiel Selen, Zink, Jod und Vitamin C". Ergänzt wird die Therapie am Abend mit bioidentischem Progesteron. Zusätzlich schlaffördernd wirkt Magnesium.
Seitdem steht Annette wieder mitten im Leben. Der Weg dorthin hat sie mehrere Jahre gekostet. "Ich hatte meinem Gynäkologen gesagt, dass ich schlecht schlafe. Da war er aber gar nicht so richtig drauf eingegangen damals. Da habe ich immer gedacht, das gehört dazu". Rechts und links höre man ganz oft von Schlafproblemen. "Als junge Mutter schläft man nicht gut, weil die Kinder es nicht zulassen und irgendwann schläft man wieder nicht gut. Aber die Gründe dafür kannte ich nicht", erinnert sich Annette an die Zeit um die 40er.

Der Gynäkologe Dr. Stephan Krehwinkel kennt die Gründe für diese Art von Problemen. Fast 40 Jahre Berufserfahrung bringt er in seiner Praxis in Eynatten mit. "Im Grunde gibt es eine Biologie des Eierstocks. In der Menopause kommt es zu einer Art Organversagen. Das alles wäre vor 100 Jahren gar kein Thema gewesen, da wären die Frauen und die Männer mit 50 Jahren verstorben."
"Jetzt haben wir eine Lebenserwartung von durchschnittlich 84 Jahren bei den Frauen. Und es ist so, dass wir diesen Hormonausgleich durchführen sollten, weil Hormone nicht mehr gebildet werden können. Zunächst fehlt das Gelbkörperhormon. Dann kommt es zu wechselnden Östrogen-Spiegeln. Später fehlen dann beide Hormone. Gegebenenfalls kommt es auch noch zu Testosteronmangel. Und das können wir in bioidentischer Form wunderbar ausgleichen", erklärt der 75-jährige Mediziner.
Trotzdem ist die Angst vor Nebenwirkungen oft noch groß. Doch die Wissenschaft hat sich weiterentwickelt, unterstreicht Dr. Krehwinkel. "Es macht keinen Brustkrebs. Keine Thrombose, keine Gewichtszunahme. Das sind die großen Sorgen der Frauen". Zusätzlich rät der Gynäkologe zur Einnahme von Vitamin D. Es senke das Brustkrebsrisiko um 60 bis 80 Prozent. Außerdem sei eine Hormontherapie enorm präventiv und bringe für das Älterwerden deutliche Vorteile mit sich. Doch noch immer sei die Therapie angstbesetzt. "Die Angst müssen wir nehmen", ist Dr. Stephan Krehwinkel überzeugt.
Aufklärungsarbeit ist gefragt - auch bei der Ärzteschaft. Denn das Thema Menopause wird beim Studium nur gestreift. Für Annette Johnen ist klar: "Ganz viele Menschen wissen einfach noch viel zu wenig darüber. Ich denke, da muss auf jeden Fall dran gearbeitet werden, dass das mit 40 zum Thema wird. Bei einem Hausarzt, bei einem Gynäkologen. Dass man da schon immer dran denkt: Achtung, es kann sein, dass die Prämenopause langsam los geht und dass man Hilfen hat, das besser zu leben". Annette lebt tatsächlich seitdem besser und steht mit 55 fitter im Leben als mit Anfang 40.
Verschiedene Krankenhäuser der Region haben interdisziplinäre Zentren zur Menopause eingerichtet, zum Beispiel:
- Clinique de le ménopause, CHC MontLégia in Lüttich
- Centre de la Ménopause, Citadelle Hopital Lüttich
- Centre interdisciplinaire de la ménopause et de l'andropause, CHU LüttichAnsprechpartner für Fragen rund um die Menopause ist auch die Frauenliga in Eupen. Im Herbst ist erneut eine Vortragsreihe zum Thema Menopause im Süden der DG geplant.
Simonne Doepgen


