Zehn Uhr morgens auf einem Feld in Thommen: Hier wächst nicht nur frisches Grün - sondern auch Müll. Landwirtin Belinda Geiben ist mit einem Müllsack unterwegs. Nach wenigen Minuten ist er schon halbvoll: Flaschen, Dosen, Plastikfetzen.
Für Belinda Geiben ist das Alltag. "Wir gehen eigentlich vor jeder Ernte einmal durch. Wenn das Gras nicht allzu hoch ist, finden wir auch ganz viel. Wenn das Gras höher ist, bleiben auch leider Sachen im Feld, die wir dann nicht mehr ausfindig machen können. Wir müssen schon drei-, viermal im Jahr mindestens hier vorbei."
Das Feld grenzt direkt an die vielbefahrene "Benzinstraße", die viele Pendler nach Luxemburg nutzen. Ob sie es sind, die auf dem Weg zur Arbeit morgens die Dosen ihrer Energy-Drinks aus dem Autofenster werfen? Beweisen lässt sich das nicht.
Eine mögliche Gegenmaßnahme wären mehr Mülleimer entlang der Straße. Doch Belinda Geiben ist skeptisch: "Weiter unten an der Straße steht ein Mülleimer. Von Luxemburg kommend ist da ein Müllkorb, wo man während der Fahrt etwas reinschmeißen kann. In Oudler steht auch einer. Ich denke, dass es nicht ausreicht, hier noch einen zusätzlichen Müllkorb aufzustellen. Die Leute würden ihn nicht nutzen."
Der Müll ist nicht nur ärgerlich und unschön - er kann auch gefährlich werden. Denn kleine Schnipsel davon landen häufig im Tierfutter. Zwar prüfen Maschinen das Futter - doch sie erkennen nur magnetischen Müll. Aluminium und Plastik bleiben oft unentdeckt. "Die Tiere merken das nicht, schlucken es und haben dann Verletzungen an der Speiseröhre, haben Schwermetalle im Körper und vielleicht auch Stücke, die durch die Bauchwand stechen, was zu Zwerchfellentzündungen oder Herzklappenentzündungen führt, oder zu inneren Blutungen."
Im schlimmsten Fall können sie sogar daran sterben. Bei Familie Geiben müssen im Schnitt vier Tiere pro Jahr wegen schwerer Verdauungsprobleme behandelt werden. Was den Verursachern wohl auch nicht klar ist: Wenn die Tiere giftigen Müll fressen, kann das Folgen für die Lebensmittelproduktion haben.
Ein Lösungsansatz könnte ein Pfandsystem sein - wie in Deutschland. "Ich denke schon, dass das eine interessante Sache ist. Wenn ich rüberschaue nach Deutschland, da berichten Landwirte aus der Gegend, dass sie viel weniger Dosen auf den Feldern finden. Wir finden ja auch kaum Glasflaschen hier, weil darauf in Belgien ja auch Pfand ist."
Bis sich etwas ändert, bleibt für Landwirte wie Belinda Geiben vor allem eins: den Müll aufsammeln, den andere hinterlassen.
Gaby Zeimers





