Geplant ist eine rund fünf Kilometer lange Betonröhre, die mitten unter dem Eifelwald durchgebohrt werden soll. Hoch wie ein Linienbus und teilweise mehr als hundert Meter tief unter der Erde.
Der Tunnel soll die Wehebachtalsperre mit dem Hasselbach bei Zweifall verbinden. Die Wehebachtalsperre ist etwas größer als die Eupener Wesertalsperre. Sie liegt zwischen Roetgen und Düren in der Nähe der Ortschaft Hürtgenwald. Das Ganze nennt sich "Weheüberleitung" und soll mehr als 64 Millionen Euro kosten.
Das Projekt ist wichtig für den Hochwasserschutz. Es soll Stadtteile von Stolberg und einige Ortschaften in dem Einzugsgebiet schützen. Die wurden 2021 überschwemmt und um das zu verhindern, wird jetzt im oberen Bereich des Einzugsgebiets dieser Tunnel gebaut. Der soll bei Starkregen einen großen Teil der Wassermassen abfangen. So landet das Wasser nicht mehr im Tal, sondern in der Talsperre.
Der Tunnel kann bis zu 12.000 Liter Wasser pro Sekunde umleiten und verbindet zwei Flusssysteme miteinander. Er entlastet das eine und füllt das andere. Das ist in dem Fall gut, denn die Wehebachtalsperre ist wichtig für die Wasserversorgung von Aachen bis nach Vaals und Kerkrade. Aktuell ist die Talsperre zu groß, kann also noch ganz problemlos mehr Wasser speichern.
Der Tunnel löst also zwei Probleme: In "nassen" Zeiten weniger Hochwasser in Stolberg und in "trockenen" Zeiten mehr Trinkwasser für die Region. Er gleicht quasi zwei Effekte des Klimawandels aus. Und zwar die häufigeren, schwereren Starkregenfälle auf der einen Seite und die längeren, intensiveren Trockenperioden auf der anderen Seite. Dadurch schützt er die Menschen, sichert den Wasserbedarf der Wirtschaft in der Region und damit auch Arbeitsplätze.
Die Vorbereitungen für das Großprojekt laufen schon seit vier Jahren und weil das Projekt fast komplett aus einem bestimmten Fördertopf finanziert wird, der zeitgebunden ist, muss es ab jetzt auch ziemlich schnell weitergehen. Die Planung muss bis Herbst diesen Jahres abgeschlossen - und der Tunnel bis Ende 2029 fertig sein. Das ist, gelinde gesagt, ziemlich sportlich für so ein Bauvorhaben.
Die Tunnelbohrmaschine wird nicht nur Technikfans begeistern. Sie wird 150 Meter lang und rund zwei Stockwerke hoch. Das Gerät wird eigens für das Projekt konzipiert, denn es muss auf das Gestein vor Ort angepasst werden. Die Bohrköpfe haben jeweils viereinhalb Meter Durchmesser und müssen sich abwechselnd durch weiche Ton- und Sandsteine, Blätterschiefer und extrem harten Quarzit vorarbeiten. Es dauert alleine ein Jahr, um die Bohrmaschine aufzubauen. Von Juni 2028 bis August 2029 wird dann gebohrt.
Während der Bauarbeiten wird die Straße in der Nähe, die Jägerhausstraße, ab Anfang 2028 für zwei Jahre gesperrt. Für alle Interessierten ist eine Infoveranstaltung geplant am Dienstag, dem 24. März, um 13 Uhr im Gasthof "Zur Post" an der Jägerhausstraße 23 in Zweifall.
Anne Kelleter