Geboren wurde Alfred Bourseaux am 19. Dezember 1928 als jüngstes von fünf Kindern des damaligen Generaldirektors des Kabelwerks, Carl Bourseaux. Schon früh wuchs er in die Tradition einer Unternehmerfamilie hinein.
Dabei wollte er eigentlich Landwirt werden. Aber als Sohn einer Unternehmerfamilie wurde für ihn aus dem Leben auf dem Bauernhof nichts. "Ich habe als junger Mann, in den 50er Jahren, im Kabelwerk angefangen. Ich habe zwei Brüder im Krieg verloren und war sozusagen das Reserverad."
"Ich habe mich dann entschlossen, dem Wunsch meines Vaters zu folgen und ins Kabelwerk einzutreten. Und ich muss sagen, ich bereue das in keinster Weise. Ich wäre nicht mit mir selbst zufrieden, wenn ich das nicht gemacht hätte", sagte Ritter Alfred Bourseaux dem BRF anlässlich seines 90. Geburtstages im Jahr 2018.
Das Wohl der Mitarbeiter vom Kabelwerk lag ihm sehr am Herzen und er war sehr stolz auf das Unternehmen. "In Eupen nennt man das Kabelwerk den 'Brotschrank von Eupen'. Aber es ist weit mehr als der Brotschrank von Eupen. Das Kabelwerk zählt in seinen Reihen Mitarbeiter zwischen St. Vith und Kelmis. Und es ist für diese ganze Region und auch noch für Teile unserer Nachbargemeinden eine wichtige Institution, die vielen Familien ihre Existenz sichert."
Und genau das war ihm wichtig. Er wird stets als ein Unternehmer beschrieben, der immer menschlich geblieben ist und nicht nur die Zahlen im Blick hatte. Ans Aufhören dachte er eher selten. "Alt werden ist an sich kein besonderes persönliches Verdienst, aber es ist vielleicht doch ein Grund, mal kurz innezuhalten. Und wäre es nur wegen der Zwischenbilanz oder der Nachdenklichkeit über Zeiten und Schicksale. Mit dem Aufhören, da bin ich eigentlich noch nicht so drauf eingestellt."
Ritter Alfred Bourseaux war ein Unternehmer mit Weitsicht und einem besonderen Bezug zur Stadt Eupen. Dass er zum Ehrenbürger der Stadt ernannt wurde, hatte für ihn eine große Bedeutung. "Ich fühle mich mit meiner Heimatstadt Eupen sehr verbunden und ich sehe es als eine Anerkennung für meine Einstellung zur Stadt Eupen. Und vielleicht auch eine Würdigung für das, was ich in bescheidenem Umfang während meiner Berufskarriere habe tun können."
Alfred Bourseaux beteiligte sich unter anderem an der Restaurierung der Türme der Eupener St.-Nikolaus-Kirche. Als 2023 nach der Flutkatastrophe auf Einladung von König Philippe die Staatsoberhäupter deutschsprachiger Länder Halt im Rohrwerk der Kabelwerk AG im Ortsteil Hütte machten, berührte ihn das sehr. "Es ist eine Ehre für das Eupener Ländchen, dass all die Herren gekommen sind. Und ich finde es so schön, dass auch von den Minderheiten gesprochen wird."
Der Ostbelgier des Jahres, Ehrenbürger der Stadt Eupen und Ritter Alfred Bourseaux blieb den Menschen in seinem Unternehmen ebenso treu wie seiner Heimatstadt. In vielen seiner Reden waren sein feiner Humor und sein unverkennbares Eupener Herz zu spüren. "Meine Damen, meine Herren, Humor ist im Leben hilfreich, Humor sollte Witz mit Takt sein. Humor sollte in Eupen nie vergehen. Wie sagt man doch so schön in Eupen: Haltet euch gesund und munter."
Weggefährten erinnern an Ritter Alfred Bourseaux
Wie war Alfred Bourseaux als Mensch? Erich Thönnes und Hermann-Joseph Bernrath, die viele Jahre mit ihm gearbeitet haben, erinnern an ihn - im Radio-Beitrag im Player:
Julia Slot